iPad - Daten - Apple - iTunes

Sep 12 2012

Das iPad stinkt!

Kategorie Tablet-PC


Ja – genauso müssen erfolgreiche Überschriften sein: plakativ und populistisch. Ich sehe schon, wie sie sich auf meinen Beitrag stürzen. Die Apple-Fanboys&-girls auf der einen Seite, die gleich schonmal die Messer wetzen, um meinen Beitrag dann gnadenlos zu zerpflücken. Und auf der anderen Seite die Apple-Hasser, die mindestens ebenso blind versuchen, mit ihren imaginären Äxten in die gleichen Kerben meiner Kritikpunkte zu hauen. Dabei geht es doch nur um ein Stück Plaste mit bisschen Hard- und Software drin. Entspannt euch! 😉

Vor kurzem habe ich ein solches in Form eines iPads gewonnen. Nun möchte ich ein paar meiner Eindrücke präsentieren – auch und gerade im Vergleich zu meinem Android-befeuerten 100-Euro Touchpad von HP. Um meinem ersten Kritikpunkt gleich anzugehen: Warum schaffen es die Hersteller heutiger Elektronikspielzeuge nicht, diesen mörderischen Gestank aus ihren Geräten zu bekommen? Gleich nach dem Auspacken umströmte mich eine eklige Dunstwolke. Damit meine ich nicht nur den Hersteller mit dem angebissenen Apfel. Ich kann mich an mehrere Geräte erinnern, die bei mir einen ähnlichen (Erst-)Eindruck hinterlassen haben. Klar verschwinden die Dämpfe nach einiger Zeit wieder. Aber es muss doch mit dem Stand der heutigen Materialtechnik möglich sein, auf solche Erfahrungen komplett zu verzichten.

Nun konkret zum iPad. Gewonnen habe ich das „neue iPad“ – also eigentlich das iPad der dritten Generation. Leider hatte ich vergessen zu fragen, ob es sich tatsächlich um das umgangssprachlich als „iPad 3“ bekannte Modell handeln würde, in welchem das vielgelobte Retina-Display verbaut ist. Sowohl auf dem Karton als auch auf dem iPad selbst oder den Einstellungen ist immer nur vom „iPad“ die Rede. Laut der Modellnummer „MD329FD“ scheint es sich dann doch um das aktuellste Modell zu handeln. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich erst gerade eben, Tage nach der Inbetriebnahme, auf diesen Trichter gekommen bin. Ich hatte einfach nicht daran geglaubt, dass man mir solch ein Gerät überlassen würde. Na hui? Dann ist dies also dieses sagenumwobene Retina-Display – fein! 😉

Aus Sicht der Hardware gibt es einfach (fast) nichts zu meckern. Solide Verarbeitung, rattenscharfes Display, brauchbare Kameras, ausreichender Klang und eine erstaunliche Akkulaufzeit sind die Dinge, die mein HP Touchpad alt aussehen lassen. Deutliche Abzüge gibt es hingegen für den Apple-typischen USB-Anschluss. Während es mittlerweile alle nahmhaften Hersteller von Handys, Smartphones und Tablets geschafft haben, Mini-USB als universalen Anschluss zu etablieren, bleibt Apple stur auf seinem Standpunkt, seine proprietären Stecker weiter verbauen zu müssen – Pfui!

Das Betriebssystem lässt sich fluffig bedienen. Nach Rucklern sucht man auch bei intensiver Nutzung vergebens. Alle Bedienelemente sind immer an den gleichen Stellen zu finden. Dies wäre ein großer Vorteil, wenn diese nicht konsequenterweise immer am oberen Rand des Bildschirms erscheinen. Hier hätte Apple gut daran getan, ein auf den größeren Bildschirm abgestimmtes Bedienkonzept zu entwickeln, und nicht stur jenes vom iPhone zu übernehmen.

Verglichen mit Android-basierten Geräten scheint das iPad in Hinsicht auf die Funktionsvielfalt an vielen Stellen leider noch in der Steinzeit. Keine Widgets, nur bedingt anpassbare Desktops und „Einstellungen“, die diese Bezeichnung aufgrund nur bedingt anpassbarer Parameter bisweilen kaum verdienen. Mensch Apple! Da prahlt ihr an allen Ecken mit solch einem innovativem Produkt und lasst euch von Android-Tablets in diesen Dingen einfach mal den Rang ablaufen. Ihr solltet euch vielleicht weniger mit Patentklagen beschäftigen – aber das ist eine andere Geschichte.

Auch vom App-Store bin ich alles andere als überzeugt. Während ich im Android-Market gleich ein ganzes Bündel sowohl kostenloser- als auch kostenpflichtiger Programme zu ganz bestimmten Themen in gut strukturiertem Ambiente angeboten bekomme, bietet mir der App-Store oftmals nur in der Funktionsvielfalt deutlich beschränkte Programme an, so dass ich irgendwann vermutlich um eine kostenpflichtige Nutzung nicht mehr herumkomme.

Mein letzter Kritikpunkt: In der Welt der Androiden so simple Dinge wie das „Rüberkopieren von Daten“ werden auf Apple-Produkten zur Tortour. Was ich bisher nur vom Hörensagen kannte, durfte ich nun selbst miterleben. Nein! Ich wollte nicht dieses iTunes auf meinem Windows-PC installieren, womit das ganze wohl problemlos funktionieren soll. Ich wollte einfach nur ein paar Fotos auf das immerhin 32GB an Daten fassende iPad transferieren. Wahlweise via USB, über eine stinknormale Netzwerkfreigabe oder einen Samba-Server. Über USB erkennt Windows 7 zwar das iPad – Zugriff auf den internen Speicher bekommt man damit aber noch lange nicht. Eine Übertragung über das Netzwerk soll zwar theoretisch mittels zusätzlicher Apps funktionieren – diese sind aber nicht kostenlos. Der Zugriff auf einen DLNA-Server funktioniert zwar mit einer kostenlosen App Namens MediaConnect – nach drei Bildern ist jedoch Schluss mit kostenlos und eine Aufforderung nach Barem trübt den Spaß. Im Netz wird man oft auf die Cloud verwiesen, über welche man doch bequem Daten transferieren könne. Leute! Wenn ich 1GB Fotos auf das iPad kopieren will, um sie mir genau dort anzuschauen, da schubse ich die Daten doch nicht erst in die Wolke, um sie im gleichen Augenblick wieder herunterzuladen. Meine 6000-er DSL-Strippe würde sich bedanken. Ist es denn schon „Old School“, seine Daten einfach via Kabel zu kopieren? Kann dieses ach so innovative Apple diese gar nicht so schwere Aufgabe denn überhaupt nicht lösen? Oder – will Apple das vermutlich gar nicht…?! Oder habe ich irgendetwas übersehen?

Entnervt gab ich irgendwann auf, und gewährte iTunes Einlass auf meinem Windows-Rechner. Doch ich war noch lange nicht am Ziel. Einmal noch sollte mein sonst so ruhiges Herzchen deutlich an Frequenz zulegen. Ich war der Meinung, zum Synchronisieren einfach einen meiner Foto-Ordner aus meinem Archiv auswählen zu müssen, damit iTunes dann das simple Kopieren auf das iPad endlich startet. Denkst! Was macht iTunes? Es legt innerhalb meines mit Akribie sortierten Foto-Archivs einen Unterordner mit dem Namen „iPod Photo Cache“ an. Dieser enthält wiederum mehrere kleine Unterordner usw.usf.. Insgesamt schmeißt iTunes mehr als doppelt so viele Daten in diese Unterordner, als die Bilder eigentlich beinhalten. Sach ma…hakts? Nicht nur, dass sich meine Daten damit mal bequem verdoppelt, auch meine Autorität als „Chef der Ordnerstrukturen auf meinem Rechner“ sehe ich dadurch untergraben. Pfui!

Liebes Apple: Die Produkte die ihr macht gelten galten ja mal als besonders innovativ und wegweisend. Wenn ihr jedoch so mit euren Kunden umgeht, wird sich über kurz oder lang das Blatt eures Erfolges wenden. Mag sein, dass der Großteil der Applenutzer mit „meinen“ Problemen nicht viel anfangen kann, und eure Produkte dennoch mit blindem Vertrauen nutzt. Vielleicht bekommt aber mal der eine oder andere von denen ein „richtiges“ Technikspielzeug in die Hand…und wenn er dann merkt, dass er von dir im Grunde nur verarscht wird…

Fazit: Trotz all meiner Unkenrufe freue ich mich natürlich über meinen Gewinn.

4 Kommentare

4 Kommentare zu “Das iPad stinkt!”

  1. Jensam 12. Sep 2012 um 23:48 Uhr

    Hallo,

    ich bin seit 3 Jahren iPad-Nutzer und habe es nie bereut. Zugegeben, das mit dem fehlende USB-Anschluss ist ein Problem. Ich habe einen Adapter, der eigentlich nicht nötig sein sollte. Dennoch geht es ohne iTunes (warum eigentlich?); zum Beispiel über eine Cloud a la Dropbox (kostenlose App auch bei iTunes) oder mal das kostenlose Tool „CopyTrans“ ansehen.
    Ich denke, du solltest einfach mal ein paar Wochen damit arbeiten, um alle Vorteile abschätzen zu kennen. Apple ist konsquent in der Bedienung (seit Jahren), bei Android ist dies nicht der Fall. Und, weder als Apple- noch als Windows-Nutzer ist man wirklich Herr über seine Ordner. 😉

  2. Daniel Weigeltam 13. Sep 2012 um 17:50 Uhr

    Ja, das iOS… Gestunken hat meines nicht, aber ich verstehe, was Du meinst. Mein Samsung Galaxy Nexus riecht auch nach einem Jahr noch süßlich, wen ich die CPU mal belaste und es warm wird.

    Wenn Du den Vorteil des Retinadisplay sehen willst, dann schau Dir mal im E-Markt das iPad 2 an. Der Unterschied ist gewaltig. Oder gehst mal in die Altmarktgalerie und schaust Dir dort im Applestore das MacBook pro mit Retinadisplay an.

    Das unter iOS keine Widgets gehen, finde ich auch schade. Das wäre mal was. Aber da kannst ja nicht mal eine App in zwei verschiedenen Ordnern ablegen. Na ja, Apple will das so, also hat der Anwender das toll zu finden. Dabei könnt ich mir grad auf dem iPad tolle Dinge mit Widgets vorstellen.

    Zum Dateien kopieren. Du kennst ja meine Meinung schon dazu. Es ist ein Krampf. iTunes läuft auf einem Mac wesentlich besser als auf Windows-PC. Das ist mein subjektives Gefühl. Aber das ändert nichts daran, dass man sich verbiegen muss, um Dateien auf das Pad oder iPhone zu kopieren. Einfach per USB anschließen, das würde ich mir auch wünschen. Aber so kopierste was rüber, und dann muss man auch noch vorher entscheiden, welche App darauf zugreifen darf.

    Zumindest zum Foto rüber kopieren würde ich Dir das empfehlen:
    http://www.photosync-app.com/photosync/en/downloads.html
    Das geht gut, wenn beide Geräte im selben WLAN sind.

    Und per iCloud… Haha! Entweder alles synchronisieren oder gar nichts. Das nützt mir herzlich wenig, weil ich nicht gleich jedes Foto, das ich auf dem iPad speicher, hochladen will. Aber zumindest für kleinere Dinge kann man Dropbox halbwegs nutzen.

    Was ganz besonders beim iOS gegenüber Android fehlt ist die Möglichkeit, Dateien einfach an andere Apps zu „teilen“.

    Aber irgendwie mag ich das Gerät trotz diesen Hürden verdammt gerne, es gibt super Apps und das Display ist halt schon der Hammer. Ich würde mich beim nächsten Smartphone gegen Android entscheiden. 🙂

    Noch ein paar Tipps: Installier Dir mal die beiden Apps „App des Tages“ und „App des Abends“. Das lohnt sich auf jeden Fall. Und dann schauste noch regelmäßig bei http://www.app-kostenlos.de/ vorbei. So habe ich schon manches schönes Spiel gratis bekommen.

  3. blechkoppam 13. Sep 2012 um 22:33 Uhr

    @Jens: Meiner Meinung nach hat Apple beim iPad eben kein schlüssiges Bedienkonzept, welches auch die Größe des Bildschirms berücksichtigt. Mag sein, dass es „konsequent“ ist – aber das ist in diesem Zusammenhang (nämlich dann, wenn das des iPhones ohne Rücksicht auf die „besonderen Umstände“ eines Tablets einfach kopiert wird) nichts Positives. Zum Thema Datenübertragung: Die Cloud-Lösung ist nicht in jedem Fall praktikabel. CopyTrans scheint das zu sein, was ich suche – ist aber leider nur in der kostenpflichtigen Version brauchbar. Und bei Windows und Linux bin ich sehr wohl Herr über meine Ordner! 😉

    @Daniel: Mein Modell ist ja gerade das mit dem Retina-Display. Ich war auch ähnlich verwirrt, weil es „offiziell“ nur „iPad“ (oder auch das neue iPad) heißt und nicht iPad2 oder iPad3. Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Apple_iPad. Von daher bin ich schon ein klein wenig begeistert von dem Display und muss gar nicht in diesen komischen Apple-Store! 😉
    Danke für deine Tipps – besonders zu den Gratis-Apps. Kannte ich noch nicht – sofort installiert und für gut befunden.

  4. Spotlight (85) | Das rote Blogam 15. Sep 2012 um 20:47 Uhr

    […] Und noch was zum Thema: “Das iPad stinkt!” […]

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