Dresden - Worte - „Gemeinsam - Gegendemo

Jan 19 2010

Gemeinsam blockieren

Kategorie Dresden


Da fehlen mir doch glatt (kurzzeitig) die Worte. Heute haben Mitarbeiter des sächsischen LKAs mit Hilfe Berliner Polizisten Räume von Organisatoren einer Gegendemonstration zum Neonazi-Aufmarsch in Dresden am 13. Februar durchsucht. Zitat:

Mit der Aufschrift auf den Plakaten „Gemeinsam Blockieren“ werde aus Sicht der Ermittler zu Straftaten aufgerufen, weil damit eine bereits genehmigte Demonstration behindert werden solle.

So wie ich das verstanden habe, gab dieses Plaket den Ausschlag:

Haben die nichts sinnvolleres zu tun? Es hat doch auch anderswo geklappt – warum nur ist es in Dresden so schwer, gegen dieses braune Gesindel Gesicht zu zeigen?

Infos zur Gegendemo unter www.dresden-nazifrei.de.

Quelle: www.sz-online.de.

14 Kommentare

14 Kommentare zu “Gemeinsam blockieren”

  1. randOMam 20. Jan 2010 um 09:22 Uhr

    Da kriegt man doch das Kotzen, oder?!

  2. Janeam 21. Jan 2010 um 11:49 Uhr

    Die Aktion der Polizei finde ich auch übertrieben.
    Aber gerade in Punkto „Gesicht zeigen gegen Nazis“ ist doch vielmehr die Frage, was für ein Gesicht man zeigt: ein primitiv-zorniges oder ein intelligent-nachhaltiges?
    Diese ganze Blockaden-Geschichte halte ich für wenig zielführend. Was hat man genau hinsichtlich der Ursachen für den immer wieder nachkeimenden Drang, sich rechtsradikalaen Gesinnungen hinzuwenden, unternommen, wenn man am 13. Februar eine Sitzblockade in der Innenstadt veranstaltet? Man verhindert damit höchstens, dass die Nazis genau diese eine Straße benutzen. Dafür marschieren sie dann anderswo lang und im nächsten Jahr kommen sie wieder.
    Das hat eher etwas von Profilierung und Selbstinszenierung, statt wirklich etwas gegen rechtes Gedankengut zu bewirken.

  3. blechkoppam 21. Jan 2010 um 20:34 Uhr

    @Jane: Der Meinung bin ich nicht.

    Durch die Blockade zeigt man, dass wir die Nazis nicht ungehindert ihr Gedankengut verbreiten lassen. Sie könnten dann auch nicht einfach so auf eine andere Straße ausweichen (weil die Demonstration ja nur für einen ganz bestimmten Weg angemeldet wäre), sondern sie müssten einfach stehenbleiben und sich machtlos anschauen, dass sie einfach nicht weiterkommen. Meiner Meinung nach ein guter Weg, um der Gesellschaft zu zeigen, dass es sich lohnt, sich gemeinsam dagegenzustellen.

  4. Janeam 23. Jan 2010 um 19:43 Uhr

    „Durch die Blockade zeigt man, dass wir die Nazis nicht ungehindert ihr Gedankengut verbreiten lassen.“

    Nein, du zeigst das damit lediglich ziemlich medienwirksam an einem ganz speziellen Tag. Und überhaupt: Wem willst du warum etwas „zeigen“? Wem etwas beweisen? Darum soll und kann es nicht gehen im Kampf gegen rechts, meiner Ansicht nach.

    Aus deinen Worten spricht auch mangelnde Erfahrung: Natürlich könnten sie ausweichen, wenn der angemeldete Weg durch irgendein Hindernis versperrt wird – höhere Gewalt nennt man das.
    Und zeigen, dass Nazis in dieser Stadt nicht erwünscht sind, kannst du auch ohne primitive Sitzblockade und Krawall.
    Was du schreibst klingt nach dem schlichten Wunsch, sich selber auf die Schulter klopfen zu wollen. Da geht es weniger darum, rechtes Gedankengut zu bekämpfen, als darum, „in die dummen Gesichter der Nazis zu gucken“.
    Mir gefällt das nicht, denn gegen rechts tut es gar nichts.

    Gegen rechts tust du etwas, indem du dich um die Jugend bemühst. Natürlich sind da keine Kameras dabei, keine Bullen, mit denen man sich öffentlichkeitswirksam anlegen kann, aber gegen rechts tust du so auf jeden Fall was.

  5. blechkoppam 24. Jan 2010 um 11:24 Uhr

    @Jane: Ich habe mir nochmal mehrmals meinen Beitrag und meinen Kommentar durchgelesen – aber von Krawall steht da nichts. Auch die Initiatoren der Gegendemo rufen in keinster Weise zu Krawall auf. Auch, dass ich derartige zugegebenermaßen medienwirksame Ereignisse für ein Allheilmittel halte habe ich an keiner Stelle auch nur ansatzweise behauptet. Dennoch bin ich (anscheinend anders als du) der Meinung, dass es hilfreich ist öffentlich gemeinsam Gesicht zu zeigen – und genau darum geht es hier.

    Zum Thema „mangelnde Erfahrung“ und „ausweichen“:
    Ich war schon mehrfach auf Demonstrationen – unter anderem auch zum 13. Februar:
    http://blog.blechkopp.net/dresden/geh-denken-1258/
    Da wird man den ganzen Demonstrationsweg von Hundertschaften von Polizei „eskortiert“. Wenn von den Demonstranten jemand versucht, den angemeldeten Demonstrationsweg zu verlassen, wird er wenig freundlich und mehr als bestimmt darauf hingewiesen, dass er das doch bitte lassen soll. Ich war zwar noch nie auf eine Nazi-Demo – aber ich vermute (hoffe), dass unser aller Sicherheitspersonal dort mindestens genauso intensiv seiner Arbeit nachgeht. Auch sonst gab es in den letzten Jahren einige Beispiele, wo derartige Demosntrationen friedlich gestoppt wurden.

  6. Janeam 24. Jan 2010 um 13:35 Uhr

    Ich habe auch nicht gesagt, dass du in deinem Beitrag zum Krawall aufrufst, das hast du missverstanden. Ich habe mich vielmehr zu dem Aufruf geäußert, nicht zu dir als Person, ich kenne dich gar nicht. Du nimmst meine Kritik an der Aktion für meine Begriffe irrtümlicherweise persönlich, dabei hat sie durch und durch konstruktive Züge.

    Ich weiß doch, wie solche Aktionen meist ablaufen. Z.B. als eine solche illegale Blockade vor 2 Jahren in Pappritz aufgelöst werden sollte: Da kam es ganz einfach zu wütendem Geschrei in Richtung Polizei, ein paar Steine flogen auch. Und am Abend darauf randalierten noch ein paar Autonome durch die Neustadt, um ihren Frust abzubauen. Und auch, als vor ein paar Jahren eine Sitzblockade auf der Augustusbrücke aufgelöst werden sollte, endete das mit Anzeigen wegen Landfriedensbruches gegen einige „Gegendemonstranten“. Natürlich sind nicht alle Demonstranten gewalttätig, aber solche Events sprechen sich rum und ziehen einfach immer auch Chaoten an, was viel über den Grundcharakter der Events aussagt: sie sind auf maximales mediales Echo und Profilierung ausgerichtet: „Seht her, WIR zeigen Gesicht, wir stellen uns den Nazis in den Weg!“ Als nachhaltig orientierter Mensch kann ich da nur ernüchtert fragen: „Und?“

    Ich frage dich noch mal: Was bringt es „gegen rechts“, wenn diese Demonstration gestoppt wird? Ändert ihr damit irgend etwas an der Existenz rechten Gedankengutes und an den Grundübeln, die immer wieder – Demos hin oder her – dazu führen werden, dass junge Leute sich diesem Gedankengut zuwenden werden?

  7. Janeam 24. Jan 2010 um 13:44 Uhr

    http://dresden1302.noblogs.org/post/2009/02/22/fotostory-teil-2-der-anfang-vom-ende-der-demo

    Jetzt klar, was ich meine? So lief es letztes Jahr ab – übrigens inklusive Gewaltszenario und umgeleiteten Demos.

  8. blechkoppam 24. Jan 2010 um 16:26 Uhr

    Nehmen wir mal an, die paar tausend Nazis ziehen durch Dresden. Kein einziger Gegendemonstrant taucht auf und alles bleibt schön friedlich. Die Nazis haben Gelegenheit, in aller Ruhe ihre Lügen zu verbreiten. Es gibt entweder kein Medienecho (wo nicht geprügelt und randaliert wird, gibt es auch nichts zu berichten) oder man zeigt mit den Worten „Aha – die Ossis sind doch alles Nazis!“ auf Dresden. Der für rechtes Gedankengut empfängliche sogenannte „Jugendliche“ wird ja dadurch nur noch mehr motiviert, sich den augenscheinlichen Massen anzuschließen. Nach dem Motto „Kann ja nich sooo schlecht sein, wenn keiner was dagegen hat“. Ich finde es im Übrigen nicht so gut, immer nur die jüngere Generation als besonders empfänglich für rechtes Gedankengut hinzustellen. Das Problem tritt in der gesamten Gesellschaft auf, nicht ausschließlich in bestimmten Schichten.

    Was müssen die Leute denken, die sich so wie du es richtigerweise vorschlägst um die Jugendlichen kümmern, die empfängliche für rechtes Gedankengut sind? Müssen die nicht erst recht die Motivation verlieren, wenn sie sehen, dass niemand hinter ihnen steht?

    Wie gesagt: Ich bin nicht der Meinung, dass diese Gegendemonstration ein „Allheilmittel“ ist – aber ich halte sie für richtig und wichtig.

    Zu deiner letzten Frage:
    Nein, an der Existenz rechten Gedankenguts und an den „Grundübeln“ ändert man mit besagter Gegendemonstration nichts. Ich glaube kaum, dass ein Nazi angesichts der Gegendemo spontan seine Meinung ändert. Ich glaube aber, dass man mit einem breitem Echo aus der Gesellschaft viele Menschen dazu anregt, über dieses Problem nachzudenken und sie vielleicht dazu bringt, sich im eigenen Umfeld stärker (oder überhaupt) zu engagieren.

  9. torstenam 25. Jan 2010 um 15:01 Uhr

    Das Ausgangsproblem dieses Posting (Durchsuchungen von Büros, Illegalisierung zivilen Ungehorsams) deutet m.E. darauf hin, dass die Konfliktlinie links/rechts (Antifa/Nazis) eine nette Möglichkeit darstellt die Grenzen staatlichen(polizeilichen) Handelns auszuweiten. Warum wird das nur so schnell übersehen?

    Ich muss gerade daran denken, dass Gewalttaten die in der Endphase der DDR auf Demonstrationen von einigen Demonstranten begangen wurden, medial aufbereitet und genutzt wurden um ALLE Demonstranten und deren Ziele zu diskreditieren. Auch ich habe damals geglaubt, dass es tatsächlich westliche Agenten waren, die da brave und zufriedene DDR-Bürger zu Gewaltexzessen angestachelt hätten.

    Ich will die Antifa nicht mit den DDR-Bürgerbewegten gleichsetzen, nur darauf hinweisen, dass Staat und Medien auch heute ihr Interesse an den Auseinandersetzungen zum 13. Februar haben.

  10. torstenam 25. Jan 2010 um 15:10 Uhr

    BTW eine Liste mit den Adressen, wo man sich das verbotene Plakat in Dresden zum Plakatieren abholen kann gibt es hier:

    http://www.dresden-nazifrei.com/?p=615

    @ Jane: Aha-Cafe und der Löbtauer Weltladen sind da auch mit dabei. Sind die jetzt auch bei der primitiv-zornigen Antifa? 😉

  11. Janeam 27. Jan 2010 um 16:28 Uhr

    Also,
    nochmal zu dem Gedanken „Nazis können sonst ungestört ihr Gedankengut verbreiten“:

    Stellt euch vor, Nazis marschieren in Dresden – und keiner guckt hin. Keine Presse, keine Fotos – und niemand, der das braune Gedankengut hören oder sehen will, sowieso (sonst wird der sich das auch woanders holen, nicht unbedingt auf einer demo). Was würde dann „verbreitet“ und wie?
    Glaubt mir, im nächsten Jahr marschieren die nicht mehr hier, weil es schlicht nicht lohnt. Wenn man sich in den Tagen nach dem 13.2. mal auf einschlägigen Nazi-Spots im Internet umschaut, so ist der größte Erfolg dieser Aufmärsche die Wut und der Zorn, den man beim Rest der „Gutmenschen-Gesellschaft“ zu erzeugen vermochte – und jede Menge Argumente ala „wir wurden unserer demokratischen Rechte beraubt, toll diese Demokratie!“, wenn Demos mal wieder medienwirksam unterbunden wurden – durch eben solche „Gegenaktionen“. Potenziellen Neulingen wird so hervorragend „bewiesen“, wie „scheiße“ und „pseudodemokratisch“ diese Gesellsschaft sei. Lange Rede kurzer Sinn: Solche „Gegenaktionen“ spielen den Nazis nur zusätzlich in die Hände, bieten ihnen mediale Aufmerksamkeit und scheinbare Beweise für die behauptete Verlogenheit des demokratischen Staatsmodells.

    @Torsten:

    Die benannten Adressen springen mir zumindest viel zu schnell und ohne wirklich nachzudenken auf den Zug eines mittlerweile etablierten Protesttourismus auf, der insgesamt wenig Sinn macht und bei dem es viel mehr um die Beruhigung des schlechten kollektiven Gewissens geht, weil man das Nazi-Problem noch immer nicht in den Griff bekommen hat. Das strahlt eine Hilflosigkeit diesem Problem gegenüber aus, die wehtut.

  12. torstenam 29. Jan 2010 um 19:30 Uhr

    @ Jane: „… Das strahlt eine Hilflosigkeit diesem Problem gegenüber aus, die wehtut.“

    – Da muss ich Dir allerdings recht geben.

    Dass die benannten Adressen ohne Nachzudenken auf den Zug des Protestes aufspringen, kann man aber schlecht nachprüfen, oder?

    Klar ist die Sache eine prima Inszenierung. Das Problem ist aber m.E., dass nicht nur die Nazis und diejenigen die gegen Nazis sind, ihre Interessen an diesem 13. Februar haben (was schon genug wäre, um es zu einem schwer lösbaren Problem zu machen).

    Tja, wie löst man so ein Problem? Ist es überhaupt eins? Wenn ja, wessen? Ich weiß es plötzlich gar nicht mehr. Mmm….

  13. […] nämlich der Einsatz gegen jegliche Form von Rassismus und rechtem Gedankengut. Sicher besteht wie Jane in einigen Kommentaren eines anderen Artikels vehement argumentiert die Gefahr, dass der Protest gegen die Nazis nicht mehr als ein Feigenblatt […]

  14. Der 13. Februar…am 13. Feb 2010 um 18:20 Uhr

    […] ein kontrovers diskutiertes Datum in Dresden. Ich selbst habe meine Meinung an dieser oder jener Stelle schon kundgetan. Wie daraus unschwer zu erkennen ist, war ich heute gegen den […]

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