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Feb 16 2011

Kosakenhof im Hecht


Seit nunmehr fast einem Jahr existiert im Dresdner Hechtviertel mit dem „Kosakenhof“ ein Restaurant mit ukrainisch-russischer Küche. Oft wurde mir dieses von Freunden empfohlen – so oft, dass es mir fast schon peinlich war, noch nicht dortgewesen zu sein. Dabei befindet es sich bei mir gleich um die Ecke: aus Richtung Bischofsplatz kommend am Anfang der Rudolf-Leonhard-Straße. Täglich gehe ich mindestens einmal daran vorbei – gestern nun habe ich mich mit Frau und Freunden auch mal reingetraut.

Was ich bereits in der langen Zeit der Ignoranz durch die großen Fenster feststellen konnte, wurde gleich beim Eintreten bestätigt: Das Innere ist liebevoll aber nicht kitschig gestaltet und obwohl ich bisher weder in der Ukraine, noch in Russland war, weckte die Einrichtung augenblicklich Assoziationen zu diesen Ländern. An die Wand war etwas gemauert, dass an einen russischen Ofen erinnerte. In der Ecke des viel zu kleinen aber dadurch umso gemütlicheren Raumes stand ein altes Klavier, an dass ich mich spontan setzte und unaufgefordert damit begann, russische Weisen zu spielen. Nee – quatsch – ich kann gar nicht Klavier spielen und bin obendrein noch komplett unmusikalisch. Der Rest stimmt aber – kurz: das Ambiente passt.

Kommen wir nun zum wichtigsten Teil dieser Rezension – das Essen. Wer schonmal russisch essen war, wird die Klassiker der russischen Küche kennen. Pelmeni, Borschtsch und russische Soljanka sind die Klassiker, die man auch im Kosakenhof bekommt. Gleichzeitig findet man aber auf einer Tafel die Tageskarte, die eine Vielzahl Gerichte preisgibt, die ich so noch nicht gehört oder gelesen geschweige denn gegessen hatte. Stirnrunzelnd versuchten wir erfolglos das Niedergeschriebene zu entschlüsseln. Das bemerkte die Kellnernin, eilte mit leuchtenden Augen zu unserem Tisch und schien erfreut darüber zu sein, uns ausführlich und bis ins Detail die Speisen entschlüsseln zu dürfen. Da die Damen (für die Herren gab es selbstverständlich russisches Bier) auch bei den Getränken etwas unschlüssig waren, wurden uns erstmal kleine Proben Kwas und Birkensaft gereicht. Die im Nachhinein zugegebenermaßen etwas dumme Frage nach dem Inhalt des Birkensafts, wurde uns detailliert mit der Herstellung desselben beantwortet. Interessant. Für welche Speisen wir uns genau entschieden hatten, kann ich jetzt im Nachhinein gar nicht mehr sagen, da mir die doch recht komplexen russischen Namen entfallen sind. Nur so viel: Alle waren begeistert, alle fanden es lecker, niemand hatte irgendetwas zu mäkeln. Ich würde sogar so weit gehen, und den Kosakenhof in kulinarischer Hinsicht als das Raskolnikov des Hechts bezeichnen. Wer das Raskolnikov kennt, wird dies als einen Ritterschlag zu würdigen wissen.

Die Preise sind für die Qualität der Speisen eigentlich viel zu günstig. Den Gast wird das nicht weiter stören. Wer zufrieden ist, der sollte seine Zufriedenheit mit ausreichend Trinkgeld zum Ausdruck bringen.

Was mich noch mehr als Ambiente, Essen und Preise beeindruckt hat, war aber etwas ganz anderes – die Gastfreundschaft. Nachdem uns schon die Kellnerin mit ihrer Freundlichkeit rumgekriegt hatte, kam auch noch die Chefin des Hauses an unseren Tisch. Es entwickelten sich längere Gespräche über Birkensaft, den Nachtzug von Minsk nach Moskau, den ukrainischen Fußballverein Schachtar Donezk (Kenner des europäischen Fußballs werden Bescheid wissen), Wodka und ihre Pläne für die Zukunft. Dabei stellte sich heraus, dass die Kellnerin ihre Tochter war, ihre andere Tochter in Berlin lebt…was man halt so erfährt, wenn man sich mit einer ukrainischen Restaurantinhaberin unterhält. Besonders ihre sehr ambitionierten Zukunftspläne und ihr scheinbar unerschütterliches Selbstbewusstsein haben mich beeindruckt. Für dieses Jahr hat sie etwas geplant, was es so in Dresden – ach was sag ich – in Deutschland oder gar auf der ganzen Welt noch nicht gibt. Ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt in der Öffentlichkeit darüber schreiben darf – nicht, dass jemand diese wirklich gute Idee klaut. Ich lass es besser. Nur so viel: Es dürfte sich lohnen, im Sommer ab und an mal bei dem Laden vorbeizuschauen.

Nun hat sich sicherlich der eine oder andere Leser den Mund wässrig gelesen. Darum doch noch ein kleiner nicht ganz so geheimer Hinweis für alle Liebhaber russischer Lebensart und Wodka: Immer am zweiten Sonnabend im Monat findet im Kosakenhof eine Wodkaverkostung mit Live-Musik statt. Da die Chefin sicherlich jedem Besucher des Restaurants diesen Hinweis mit auf den Weg gibt, ist eine zeitige Anmeldung (mind. eine Woche im Voraus) Pflicht.

Abschließend wieder die zusammenfassende Beurteilung. Dabei gibt es eine Bewertung von 1-10 blechKöppen, wobei 1 und 10 nie erreicht werden können!

Ambiente: 9,9
Speisen: 9,9
Getränke: 8
Bedienung: 9,9
Preise: 9,9
Gesamteindruck: 9,9

Links:
Infos (Eine Homepage habe ich leider nicht gefunden, darum nur der Link zum Restaurant-Finder)
Google-Maps-Link

PS: Wäre das Restaurant nicht so verdammt klein oder unsere Belegschaft nicht mittlerweile so erschreckend groß – hätte ich einen Vorschlag für die nächste Weihnachtsfeier im April des kommenden Jahres…;-)

5 Kommentare

5 Kommentare zu “Kosakenhof im Hecht”

  1. Muyserinam 21. Feb 2011 um 13:30 Uhr

    Interessant – ich bin auch schon oft daran vorbei gegangen. Vielleicht wage ich ich doch mal einen Besuch. Danke.

  2. Muyserinam 08. Jun 2011 um 12:00 Uhr

    Nochmals Danke für den Anstoß – inzwischen war ich dort und ebenfalls angenehm überrascht. Hier meine Rezension. 🙂

  3. Muyserinam 08. Jun 2011 um 12:01 Uhr

    PS Was war denn nun dieser sehr ambitionierte Plan? Darf man inzwischen mehr darüber erfahren?

  4. blechkoppam 09. Jun 2011 um 22:15 Uhr

    @Muyserin:
    Der Link zu deiner Rezension funktioniert leider nicht. <---habe den Artikel gefunden und den Link korrigiert. Dabei festgestelt, dass ich bisher nur journal.translarte.de kannte...;-) "Pelmeni2Go" war der Plan. Kurzzeitig habe ich auch mal einen entsprechenden Aushang im Fenster gesehen - scheint nicht so richtig funktioniert zu haben. Außerdem sollte es diesen Sommer eine Art Biergarten im wohl sehr schönen Innenhof geben...was wohl wenn ich mir deine Rezension so anschaue schon Wirklichkeit geworden ist...

  5. Muyserinam 10. Jun 2011 um 08:10 Uhr

    Danke für’s Korrigieren! 🙂 Und viel Spaß beim Weiterstöbern! 😉

    Der Mittagstisch bietet immerhin Pelmeni zum kleinen Preis. Der Innenhof ist noch nicht „fertig“, wie der Deutsche sagen würde. Aber Ukrainer sind klug genug, ein Paradies zu sehen, wo eine Linde steht! 😉

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