Film - Wettbewerb - Filmfest - Mädchen

Apr 18 2011

23. Filmfest Dresden 2011


In der letzten Woche fand das 23. „Filmfest Dresden“ statt. Auch wir waren wieder vor Ort. In diesem Jahr haben wir allerdings nur die einfache Variante gewählt. Frühzeitig haben wir uns für eine Vorstellung entschieden, bei der die Preisträger gezeigt werden sollten. Somit war die Wahrscheinlichkeit groß, besonders viele besonders gute Kurzfilme zu Gesicht zu bekommen. Wie erwartet wurden wir nicht enttäuscht. Im bis auf den letzten Platz ausverkauften „Sergio-Leone-Saal“ der Dresdner Schauburg sahen wir sieben spannende Kurzfilme.

Mein absoluter Favorit war der diesjährige Preisträger in der Kategorie „Internationaler Kurzspielfilm“. Obwohl ich französischen Streifen eher mit einer gesunden Skepsis gegenüberstehe, konnte „L’accordeur“ in jeder Hinsicht überzeugen. Der Film handelt von einem Klavierspieler, der bei seinem größten Auftritt versagte und seitdem als Klavierstimmer sein Geld verdient. Um dem Geschäft etwas auf die Sprünge zu helfen, gibt er sich als blind aus. Er erhofft sich dadurch mehr Aufträge, da er vermutet, dass einem blinden Klavierstimmer durch sein besonders scharfes Gehör mehr „Know How“ zugesprochen wird. Außerdem kann er mit dieser kleinen Lüge seine Klienten ungestört beobachten. Die Geschichte erfährt eine Wendung, die dem Zuschauer das Blut in den Adern gefrieren lässt. Grandiose Geschichte, brilliante Umsetzung und passende Musik. Wahnsinn! Leider gibt es von diesem Streifen keine komplette Version im Netz – tja – hättet ihr halt mal beim Filmfest vorbeischauen müssen.

Sehr schön war auch „Log Jam“ – ein Animationsfilm, der von der Jury eine lobende Erwähnung erhielt. Wenn ich mich bei YouTube so umschaue, scheint es sich dabei sogar um eine kleine Animationsreihe zu handeln. Einfach mal reinschauen und Spaß haben.

Der Hauptpreis für den besten Kurzspielfilm im „Nationalen Wettbewerb“ ging an „Viki Ficki„. Ein Film über Kinder und die Berufe ihrer Eltern. Nicht mehr und vor allem nicht weniger. Amüsant, schamlos und verdammt direkt.

Den Preis für den besten Animationsfilm im „Internationalen Wettbewerb“ bekam der Film „La formation des nuages„. Etwas schwer zu verstehen, wenn man sich im Vorfeld nicht informiert hat. Meine Frau war anders als der Großteil der Zuschauer hervorrangend vorbereitet und konnte uns danach über den Inhalt aufklären. Ein Film über den Weg vom Mädchen zur Frau. Die kanadische Filmemacherin war glücklicherweise auch anwesend und konnte die eine oder andere Frage in gebrochenem Englisch mit herrlichem französischen Akzent beantworten.

Wenn ein Film „Imagefilm“ heißt, bekommt meinereiner eher eine ablehnende Haltung. Völlig unberechtigt, wie sich herausstellte. Ein Film über die arrogante Scheinwelt der Werbeindustrie – eine Art Roadmovie. Witzig gemacht, vielleicht hinten raus ein bisschen langatmig und mit schwacher, etwas zäher Pointe. Dennoch kein schlechter Film.

Die Jugendjury vergab ihren Preis in der Kategorie „Internationaler Wettbewerb“ an „Rita„. Ein Film, über ein junges Mädchen, welches seit ihrer Geburt an blind ist. Sehr beklemmend – vor allem dadurch, dass die Kamera ständig auf den Kopf des Mädchens gerichtet ist und man nur bruchstückhaft etwas von der Umgebung und dem Geschehen mitbekommt. Eine rätselhafte Begegnung führt das Mädchen aus ihrem kleinen Gefängnis in ein dramatisches Ende.

Im Nationalen Wettbewerb entschied sich die Jury für „Yuri Lennon’s Landing on Alpha 46„. Ein Kosmonaut landet auf einem Jupitermond und macht eine merkwürdige Entdeckung, die in Folge eines dummen Fauxpas das Ende der Welt bedeutet. Feiner Humor, sphärische Musik und technisch sehr gut gemacht. Auf den ersten Blick gar nicht erkennbar, dass der Film unter deutscher Beteiligung entstanden ist.

Fazit: Ein Abend, der sich gelohnt hat. Wie? Die Beschreibungen der Filme sind recht kurz und außerdem ist weder ordentlich verlinkt noch sind irgendwelche YouTube-Videos eingebunden? Tja – Pech gehabt. Das sollte euch daran erinnern, euch das nächste mal aufzuraffen und persönlich zum Filmfest zu gehen.

PS: Im nächsten Jahr möchte ich aber einen Beitrag vom Beetlebum auf der Leinwand sehen!

Ein Kommentar

Ein Kommentar zu “23. Filmfest Dresden 2011”

  1. L’accordeuram 16. Dez 2013 um 22:25 Uhr

    […] Erinnerung geblieben ist. Leider konnte man den Streifen damals nicht im Netz finden, weswegen er in meinem damaligen Blogbeitrag leider nur eine schriftliche Erwähnung fand. Neulich kam mir während eines Gesprächs mit einem […]

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