Politiker - Internet - Dresdens - Meinung

Okt 11 2012

Online-PR at its best!

Kategorie Internet-Zeugs


Man stelle sich vor, man ist Fotograf und verdient mit dieser Passion seine Brötchen. Gleichzeitig betreibt man eine Facebook-Seite, welche Bilder eines Stadtviertels zum Thema hat und nutzt diese, um sein mit der Zeit entstandenes Markenimage zu pflegen. Mit der Zeit hat man sich einen Namen gemacht. Regelmäßig lädt man Bilder hoch, die das Viertel von seinen an Facetten reichen Seiten zeigen. So weit, so gut, so unspektakulär.

Plötzlich kommt ein Politiker – nennen wir ihn Herrn P.J.K. von der CDU – daher, um eines dieser Fotos zu kommentieren. Nun sollte man meinen, dass vor allem die Gilde der Politiker mittlerweile gelernt hat, mit diesem nicht mehr ganz so neuem Medium Internet und den nicht erst seit gestern bekannten Möglichkeiten von „Social Media“ umzugehen. Weit gefehlt. Hier der Kommentar:

Nur Dreck und Verwahrlosung! Was ist daran schön?

Kenner Dresdens werden vielleicht schon erraten haben, um welchen Stadtteil es geht: Die Dresdner Neustadt – ein sogenanntes Szeneviertel mit einem weit über Dresdens Stadtgrenzen hinaus geschätzten und oft gelobtem Flair. Den Sturm der Entrüstung, den dieser Kommentar augenblicklich auslöste, kann man sich sicherlich vorstellen. Ich verstehe es ja, dass so ein gesetzter Herr eine etwas andere Meinung von Schönheit hat, als die etwas jüngeren Mitmenschen dieser Stadt. Ich verstehe es auch, dass gerade Politiker das dringende Bedürfnis verspüren, ihre eigene Meinung flächendeckend kundzutun. Aber in dieser Art und Weise? Da braucht man wirklich kein Online-Experte zu sein, um frühzeitig zu diagnostizieren, dass dieser Schuss komplett nach hinten losgehen wird. Und Dank dieses Internets bekommt auch gleich die halbe Welt mit, dass es sich der nächste Politiker in einem Online-Fettnapf gemütlich gemacht hat. Und was macht man, wenn man solch einen Faux pas bemerkt? Richtig: Löschen! Der Grund, warum solche Aktionen die Situation eher verschlimmbessern, kann die Frau Streisand sehr viel besser erklären, als ich. Hinzu kommt, dass es nahezu unmöglich ist, etwas aus dem Internet zu löschen. Und so kann man den Ausrutscher an dieser Stelle noch eine kleine Ewigkeit bewundern. Dass mittlerweile auch ein althergebrachtes Medium wie die DNN diesen Vorfall aufgegriffen hat, zeigt sehr schön, dass so ein scheinbar lokal begrenztes „Facebook-Problem“ ohne weiteres in Windeseile auf traditionelle Medien übergreifen kann.

Und wo es mit dem Herrn P.J.K. (und im Hinblick auf die kommenden Wahlen vermutlich auch seiner Partei) einen großen Verlierer gibt, so gibt es auch einen ganz klaren Gewinner: Stephan Böhlig mit seinem Neustadtspaziergang. Die beste PR ist doch immer noch die, die andere für einen leisten.

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