Tillich - Sachsen - Bundesländern - Stuttgart21

Okt 10 2010

Stanislaw hat die Lösung für Stuttgart21

Kategorie Dresden


Unser Landesvater Stanislaw Tillich hat das Hauptproblem für Stuttgart21 ausgemacht und beglückt uns jetzt mit seinen Schlussfolgerungen. Der Westen wäre zu bequem für Veränderungen, um Großprojekte wie Stuttgart21 zu realisieren. In Sachsen hingegen gäbe es kein Großprojekt, das erfolgreich durch Klagen gestoppt worden wäre. Die Sachsen hätten Kohlekraftwerke gebaut, Straßen und Autobahnen, Braunkohle-Tagebaue erweitert. Das sei in anderen Bundesländern nicht mehr möglich.

Ja – klar. In „anderen Bundesländern“ zieht das Argument der Schaffung von Arbeitspläzen auch nicht so gut, wenn Politiker eine Legitimationsgrundlage für irgendetwas brauchen. Hier im Osten hat man über viele Jahre hinweg gelernt, die Klappe zu halten, auch wenn man ab und an merkt, verschaukelt zu werden. Wo kommen wir denn da hin, wenn der Bürger in aller Öffentlichkeit anfängt, sich seine eigene Meinung zu bilden oder gar versucht, die Entscheidungen unserer Herren Politiker anzuzweifeln. Kann der Herr Tillich mächtig stolz drauf sein.

Außerdem mahnt er, „Die Politik sollte … auf dem einmal eingeschlagenen Weg nicht umkehren.“. Diese „Scheuklappenpolitik“ kommt mir irgendwie bekannt vor. Und irgendwie dämmert es mir jetzt auch, wo sich der Herr Tillich hat inspirieren lassen…

13 Kommentare

13 Kommentare zu “Stanislaw hat die Lösung für Stuttgart21”

  1. reaperam 10. Okt 2010 um 23:05 Uhr

    Oh, bei dem Titel hatte ich fast schon gehofft er würde anbieten statt in Stuttgart in Dresden den Bahnhof zu verbuddeln und direkt an die Waldschlösschenbrücke an zu schließen 😉

  2. Muyserinam 11. Okt 2010 um 15:47 Uhr

    Über so viel Borniertheit gegenüber friedlichem Protest kann man nur den Kopf schütteln. Deine Analyse, als wes Geistes Kind Tillich sich hier zeigt, ist treffend.

  3. randOMam 14. Okt 2010 um 09:14 Uhr

    Stimmt, vieles kommt einem seltsam vertraut vor. Man fühlt sich in doie Zeit der End-DDR zurückversetzt, als Volkes und Regierungswille nicht mehr zueinander fanden. Ich kann mir nicht helfen aber mich stimmt das eher froh. Vielleicht erlebe ich es ja noch, dass dieses System der Scheindemokratie mit einem lauten Krach auseinander fliegt und sich aus der Asche erhebt sich eine echte Volkherrschaft mit lauter mündigen, gut informierten und am Gemeinwohl orientierten Bürgern… (Man wird ja nochmal träumen dürfen)!

  4. randOMam 14. Okt 2010 um 09:14 Uhr

    Schade, mein Video hat’s nicht eingebunden, dann also als Link:

  5. Christianeam 19. Okt 2010 um 07:52 Uhr

    Was erwartet Ihr auch von einem Politiker anderes, der seine politische Karriere in der DDR begonnen hat, auch wenn’s eine sogenannte Blockpartei war? Aber die Mehrheit der Sachsen hat seine Partei halt gewählt, wir müssen langsam mal munter werden, wenn wir Veränderungen wollen. Solche Überheblichkeit gehört weg, aber gibt es eine Alternative? WER ist schon bereit sich durch den korrupten Filz zu kämpfen.

  6. The Cowboyam 19. Okt 2010 um 15:56 Uhr

    Ohne Herrn Tillich in Schutz nehmen zu wollen: ganz so schwarz-weiß ist es auch nicht. Manchmal wirkt es wirklich, als wollen die Stuttgarter einfach bloß nichts verändern. Ein sehr schöner Artikel dazu hier:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,722969,00.html

  7. blechkoppam 19. Okt 2010 um 16:26 Uhr

    @The Cowboy: Nunja, die Sache von wegen Fortschritt und Zukunft klingt zwar speziell in Hinsicht auf S21 schön, hat aber wenn man genauer hinschaut so manchen Haken:

    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/4247/stuttgart-21-der-bahnhof-den-niemand-will-und-niemand-braucht
    http://finkployd.blogger.de/stories/1712204/

    Selbst wenn nur die Hälfte der Argumente wahr sein sollten, dann fehlt diesem Bau jegliche Legitimation. Er bringt weder Vorteile für die Zukunft (die Investitionen von mehreren Milliarden rechtfertigen würden), noch ist die Planung so transparent, dass man Vertrauen in das Projekt insgesamt haben könnte. Erinnert mich irgendwie an den Münchner Transrapid, der ja im Endeffekt bei nüchterner Betrachtung auch nur ein Prestigeprojekt einiger weniger selbstverliebter Machthaber war.

  8. The Cowboyam 19. Okt 2010 um 18:44 Uhr

    Wenn aus einem Sack- ein Durchgangsbahnhof entstehen soll, ist das für mich ein großer und nützlicher Fortschritt. Dass das nicht billig wird, dürfte auch klar sein. Mag auch sein, dass vieles falsch gelaufen ist. Aber mir kommt es oft so vor, als solle bloß keine große Baustelle über Jahre hinweg in meiner Nachbarschaft lärmen…

    Aber mir geht es weniger um das eigentliche Projekt, sondern um das „Natürlich bin ich für Veränderungen, aber doch bitte nicht bei mir.“ Da ist was dran.

    Sehr schön auch „In der Schweiz hat das Volk per direkter Abstimmung entschieden, Milliarden Euro eigener Steuergelder auszugeben, damit ausländische Lkw und fremde Reisende besser durch die Berge kommen.“ Während in Deutschland Egoismus und Obrigkeitshass bestimmt. Und dann glaubt auch noch jeder, er habe sich ein eigene Meinung gebildet, doch tatsächlich schreit er nur nach, was ihm die Medien gerade einreden – sogar, wenn es genau darum geht!

    In einem Kommentar: „Es ist mittlerweile die Haupteigenschaft der Deutschen, über alles zu nörgeln, zu meckern, es besser zu wissen, ist eine Aufgabe gelöst, sieht man schon die neuen, damit einhergehenden Probleme.“

    Er will mitbestimmen, aber man solle ihm doch bitte alle Probleme auf dem Couchtisch präsentieren; ein weiterer Kommentar:
    „Nur weil Sie zu faul sind, Ihnen die Bildzeitung kein kreuzchenfeld frei Haus liefert, bedeutet das mit nichten, das es nicht möglich ist, sich zu beteiligen
    Es gab in jeder Gemeinde die möglichkeit, in diversen öffentlichen Sitzungen sämtliche Einwände gegen das Projekt kund zu tun
    Diejenigen-wie Sie- die verlangen, das man es dem Bürger “ vermitteln “ soll-bzw nicht wollte- die haben einfach Null Ahnung
    Wie gesagt, wir leben in keiner Demokratie, in der man als Politik von Haus zu Haus gehen muss und Untershriften sammeln muss, sondern umgekehrt

    Die Klassenlehrermentalität der Volksschule, einer Fragt, die anderen antworten, das ist spätestens beim erreichen höherer Bildung hinfällig.

    Zum einen wollen Sie ernst genommen werden, zum anderen outen Sie sich als unfähig, einen Entstehungsprozess zu begleiten und kanzeln diesen als zu „bürokratisch“ ab“

  9. blechkoppam 19. Okt 2010 um 21:34 Uhr

    Nunja – aber man darf sich doch ein wenig verarscht vorkommen, wenn man mit Informationen gefüttert wird, die dann später plötzlich nicht ganz korrekt – um nicht sogar zu sagen erstunken und erlogen sind. Das stellt doch deine von dir richtigerweise beschrieben demokratischen Prozesse ins Abseits. Generell halte ich es (nicht nur auf S21 bezogen) besonders in Bezug auf die Kosten für bedenklich, dass diese bei Bauvorhaben oft deutlich teurer werden, als ursprünglich geplant. Wenn dann in Stuttgart die Bauunternehmen auch noch ordentlich mit der Politik verzahnt sind, da muss man doch misstrauisch werden. Sehr „schön“ in diesem Zusammenhang auch ein Pro-S21-Artikel in der FAZ:

    Zitat:

    „Denn die Milliarden zahlen eben zum geringsten Teil die Demonstranten. Es zahlen Bahn, Bund und Land. Und deshalb sollte man auch bedenken, dass sie die finanziellen Risiken weit besser beurteilen können als der wütende Bürger vom Kräherwald. Denn sie müssten – im Falle des Falles – finanziell dafür geradestehen.“

    Soso – und wem „gehören“ „Bahn, Bund und Land“? Richtig – dem Staat! Und wo hat der Staat sein Geld her? Richtig – von unsereiner! Also ist der Steuerzahler im Endeffekt auch wieder der Gelackmeierte.

    Ich gehöre nicht zu den fanatischen Schützern von Kleingetier – ich bin auch nicht derjenige, der sich permanent über irgendwelche Baustellen aufregt. Was mich aufregt ist die Tatsache, dass viele Politiker in einer ganz eigenen Welt zu leben scheinen und immer nur dann den Blick nach draußen wagen, wenn mal wieder eine Wahl ansteht. Möglicherweise wären mehr Bürgerentscheide und damit eine direktere Bürgerbeteiligung eine Lösung – wobei dann wieder ganz andere Fragen gestellt werden müssten…

  10. blechkoppam 20. Okt 2010 um 19:48 Uhr

    Ein weiterer interessanter Artikel zum Thema „Mitspracherecht“:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/umstrittenes-bahnprojekt-stuttgart-und-der-unheilbare-mangel-1.1013415

  11. The Cowboyam 21. Okt 2010 um 03:07 Uhr

    Naja, der ganze Artikel nimmt die Begründung des Verwaltungsgerichts von 2009, warum das Volksbegehren abgelehnt wurde, als Aufhänger für die gesamte Argumentation, dass die Bürger nie mitbestimmen konnten. Nur weil ein Gericht es 15 Jahre später als Begründung angibt, heißt das nicht, dass es diese Möglichkeiten zur Mitsprache nicht gab. Vielleicht sollte man lieber dieses Urteil anfechten.

    Wie auch immer, in 20 oder so Jahren, wenn das Ding steht, werden sie im Ländle alle stolz sein auf ihren tollen Bahnhof, obwohl ihn anfangs keiner wollte. Wie das halt so ist mit Großprojekten.

  12. blechkoppam 21. Okt 2010 um 21:09 Uhr

    Dass es ein Großprojekt ist, heißt noch lange nicht, dass man es man es nicht kritisch hinterfragen sollte. Und so wie ich das sehe, gibt es einfach zu viele Ungereimtheiten, als das es (gerade für die Schwaben) zu einem Erfolgsprojekt werden könnte. Mir scheint es eher so, als hätten ein paar Politiker sich in den Kopf gesetzt, das Projekt trotz schlüssiger Gegenargumente ausgewiesener Experten durchzudrücken – komme was wolle.

    Wie jetzt? Kostet ein paar Milliarden mehr? Macht nix, Vertrag ist Vertrag – damit muss der Steuerzahler blechen…

    Wie jetzt? Wir sparen keine X Minuten Zeit, sondern wenn überhaupt nur einen Bruchteil davon? Und da wir nur noch die Hälfte der Gleise haben, bringt schon eine klitzekleine Verspätung alles im recht straffen Fahrplan durcheinander? Durch die im Bahnhof zusätzlich verkehrenden langsamen Regionalbahnen wäre der Bahnhof für den Fernverkehr ein klassisches Nadelöhr…uswusf…

    Hier wird uns ein Rückschritt als Fortschritt verkauft, Gegner werden als „Zukunftsbremsen“ gebrandmarkt obwohl sie nur ihren gesunden Menschenverstand einsetzen – eine Fähigkeit, die die Planer haben vermissen lassen. Mir scheint, da haben sich einige Entscheider ein Stückweit von der Realität entfernt.

  13. The Cowboyam 22. Okt 2010 um 12:32 Uhr

    Hab ich ja auch nicht behauptet. Gerade ging es doch noch um das (angeblich) fehlende Mitbestimmungsrecht? Auch so ne Sache: Worüber wird eigentlich gestritten? Geht es wirklich gegen das Projekt oder nur darum, dass man nicht gefragt wurde. Ich bin überzeugt, es gibt wesentlich mehr Leute, die das Teil als gut und fortschrittlich empfinden. Die sieht man natürlich nicht auf der Starße.
    Wie gesagt, ich wehre mich nur dagegen, dass immer alles so schwarz-weiß gesehen wird. Es gibt mindestens ebenso viele schlüssige Pro-Argumente.
    Ganz bestimmt hat kein einziger Planer dieses Projektes auch nur einen Funken gesunden Menschenverstand – is klar.
    Und ein Durchgangsbahnhof kann kein größeres Nadelöhr sein als der Sackbahnhof zuvor.

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