Nazis - Gegendemonstranten - Gebiet - Richtung

Feb 13 2011

13. Februar 2011

Kategorie Dresden


Trotz widrigster Witterungsbedingungen (Wo kam heute Morgen nur der viele Schnee her?) und teils unverhoffter Begleitumstände (Der Großteil der Mitstreiter unsereres letztjährigen kleinen Demonstrations-Grüppchens musste leider aus gesundheitlichen Gründen passen.), habe ich mich heute wie in den vergangenen Jahren aufgemacht, um meine tiefe Abscheu gegenüber den Teilnehmern des sogenannten „Trauermarschs“ der Nazis zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens öffentlich kundzutun. Anders als im letzten Jahr musste ich dafür heute die Elbe überqueren. Ein kleines Problem, welches ich mit der geschickten Wahl einer Straßenbahn der Linie 8 lösen konnte. Damit (die Bahn war gut gefüllt) kam ich auch problemlos bis zum Wiener Platz. Hier zeigte sich, dass das Gebiet um die Route der Nazis bereits weiträumig abgesperrt war. Taktisch nicht ganz uneigennützig, hatte sich die Polizei ein scheinbar einfach zu kontrollierendes Gebiet ausgesucht. Der mit Einsatzkräften der Hundestaffel gesicherte Bahndamm grenzte den kritischen Bereich zumindest von einer Seite aus ab. Potentielle Gegendemonstranten wurden an den Durchgängen des Bahndamms abgewiesen. Der Schwachpunkt war jedoch der Hauptbahnhof. Zwar wurde auch hier kontrolliert – jedoch konnte man versuchen, sich zwischen den Reisenden zu verstecken. Das Reinkommen war für mich kein Problem. Innerhalb einer Gruppe von Reisenden, kam ich ohne kontrolliert zu werden und unbequeme Fragen beantworten zu müssen problemlos in das Innere des Bahnhofs. Dort suchte ich gleich mal nach einer passenden Zugverbindung, um im Fall des Falles mit plausiblen Argumenten gewappnet zu sein. Leider waren die Ausgänge zur Südseite des Bahnhofs wie erwartet gut gesichert. Man brauchte schon einen Rollkoffer oder musste wenigstens vom Äußeren her eindeutig dem Klientel der Nazis zugeordnet werden können, um durchgelassen zu werden. Beides war bei mir leider bzw. zum Glück nicht der Fall. Aber man kann es ja mal versuchen – dachte ich so bei mir und spazierte gelassen Richtung Ausgang. Auf dem Weg dorthin traf ich einen Kollegen. Dieser war es dann auch, der von einer jungen etwas zu kurz geratenen Polizistin etwas zu forsch angesprochen wurde. Das wars dann – da ihm kein plausiblerer Grund als „ich will da raus“ einfiel und auch sonst keine richtige Stimmung zwischen ihm und der immernoch etwas grimmig dreinschauenden Polizistin aufkam, war an dieser Stelle auch für mich Schluss. Wir waren aufgeflogen und als Gegendemonstranten enttarnt. Wir beratschlagten uns kurz und beschlossen, mit der Straßenbahn das Gebiet zu umfahren, und von der anderen Seite in Richtung Fritz-Löffler-Platz vorzustoßen. An dieser Stelle kürze ich die Beschreibung unserer Odyssee mal etwas ab – stundenlang waren wir zu Fuß unterwegs und trotz einiger mir neuer Schleichwege war es uns nicht möglich, weiter vorzudringen. Letztendlich umrundeten wir die halbe östliche Südvorstadt und fanden uns nach einiger Zeit wieder auf dem Wiener Platz vor dem Hauptbahnhof ein. Hier war es kurz vor 15 Uhr deutlich voller geworden. Einige Teilnehmer der Menschenkette gesellten sich nach und nach dazu. Beobachtet von einer ungefähr einen Steinwurf hoch in der Luft stehenden Drohne und einigen eifrig beim Ergometertraining strampelnden Fitnessjüngern im gegenüberliegenden gläsernen Fitnessstudio, harrten wir der Dinge.

Erst einige Stunden nachdem der „Trauermarsch“ starten sollte, waren in der Ferne einige Nazis zu sehen. Gellendes Pfeifkonzert. „Nazis raus“-Rufe. Wenn ich jetzt lese, dass 1291 Nazis unterwegs waren (da scheint ausnahmsweise mal einer genau nachgezählt zu haben), waren die Gegendemonstranten erfreulicherweise wiedermal deutlich in der Überzahl. Nicht nur, dass sich der Marsch erst mit mehreren Stunden Verspätung in Bewegung setzte, auch die Route musste dank einiger erfolgreicher Blockaden gekürzt werden.

Fazit: Erfolg auf ganzer Linie.

Nicht vergessen: In diesem Jahr gibts das gleiche Schauspiel nochmal in einer Woche – am 19.!

4 Kommentare

4 Kommentare zu “13. Februar 2011”

  1. Daniel Weigeltam 14. Feb 2011 um 10:11 Uhr

    Sehr schön, dass Du trotz aller Widrigkeiten da warst. Ich erlaube mir mal auf meinen Bericht zu verweisen (Siehe Homepagelink), damit Du siehst, wie es auf der anderen Seite aussah.

    Für den 19. sind alleine 250 Busse angekündigt. Wir können also denke ich mit über 20000 antifaschistisch denkenden und handelnden Menschen rechnen. Irgendwann müssen die Nazis ja mal merken, dass sie hier nicht willkommen sind.

  2. blechkoppam 14. Feb 2011 um 11:02 Uhr

    @Daniel: Schöne Fotoserie. Bei der „rosa Plastehütte“ konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen…;-) Hat schon eine gewisse „Symbolik“.

  3. reaperam 14. Feb 2011 um 15:03 Uhr

    Odysse um die Bannmeile hatten wir auch. Ich sehs mal positiv, wir haben nicht gefroren, waren auf beiden Kundgebungs- / Versammlungs- / Blockadepunkten und eine Neu-Dresdnerin hat mal was von der Stadt gesehen 😛

  4. […] Das jeder etwas gegen Nazis tun kann, wenn man nur will, beweist das Blechblog mit einer sehr persönlichen Schilderung des 13. Februar. […]

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