Einstellungen - Belichtung - Sprünge - Canon

Aug 17 2012

Timelapse: Mein erstes Mal


Schon lange habe ich das Verlangen danach verspürt, selbst mal einen kleinen Timelapse-Film zusammenzuknipsen. Die Technik war vorhanden, die Ideen auch. Allein es fehlte an der Motivation, sich mehrere Stunden lang hinter die Kamera zu stellen und nichts anders zu tun, als zu warten. Am Samstag war es dann endlich soweit. Das Motiv sollten die Elbwiese vor dem Areal der „Filmnächte am Elbufer“ werden. Rein zufällig waren ja gerade „Die Ärzte“ zu Besuch. Tolles Wetter, jede Menge Leute, (nur!) ein Bierchen und bisschen Musik im Hintergrund – was will man mehr? Und um die Schwierigkeit des Ganzen noch etwas auf die Spitze zu treiben, habe ich mich gleich am „The Holy Grail“ versucht. Der Heilige Gral bei Timelapse-Videos ist der Übergang von Tag zur Nacht. Wegen der sich kontinuierlich ändernden Lichtverhältnisse ist dieser besonders schwer umzusetzen. Dabei hatte ich im Vorfeld gelesen, dass gerade Einsteiger wie ich zunächst die Finger davon lassen sollten. Hinzu kam, dass die Wolkenbewegungen am späten Nachmittag so extrem waren, dass bereits zu diesem Zeitpunkt von praller Sonne bis zu dunklem Schatten im Minutentakt alles dabei war. Wenn es klappt: schön anzusehen. Wenn man Pech hat oder wie bei mir noch wenig Erfahrung dazukommt, sieht man im schlimmsten Fall nur wildes Geflacker.

Erstmal genug Palaver – ab hier Butter bei die Fische!

Die technischen Details:

  1. Equipment (Amazon-Links…irgendwie muss ich den ganzen Kram ja finanzieren 😉 ):
    Canon EOS 60D + LP-E6 Originalakku + 64GB SDXC Speicherkarte
    Tamron 10-24mm f/3.5-4.5 Ø77 + Gegenlichtblende
    Manfrotto M-Y 732CY + 494RC2 Kugelkopf (auf den Rand der Brücke gestellt)
    Magic Lantern 2.2 (für das Intervalometer mit Bulb Ramping)
    1x Landskron Premium Pilsner(Irre, das kann man mittlerweile auch bei Amazon kaufen)
    1x Buch (Molwanien: Land des schadhaften Lächelns – Aktualisierte Ausgabe)
    1x Decke (zum Aufstützen der Unterarme auf dem Brückenrand während der 4! Stunden)
  2. Einstellungen:
    sRAW (Vorteile: RAW, genügend Auflösung für HD, weniger Speicherplatz)
    Manueller Fokus
    Weißabgleich Tageslicht 5200K (automatischen Weißabgleich auf jeden Fall deaktivieren)
    Magic Lantern: 5 Sekunden Intervall, Bulb Ramping aktiviert
  3. Nachbearbeitung:
    Adobe Lightroom 4.1
    LRTimelapse 1.9.4

Der Standort:
Nicht nur, weil man für ein Timelapse-Video mehrere Stunden an ein und dem selben Ort verbringen muss, sollte man sich genügend Zeit für die Standortwahl nehmen. Sowohl der aktuelle als auch der kommende Sonnenstand ist wichtig. Wenn man es ganz genau machen will, sollte man sich über den genauen Zeitpunkt von Sonnenauf-/ Sonnenuntergang informieren. Außerdem sollte man direkt vor der Linse keine hektischen Bewegungen haben. Unterstützend kann hier ein möglichst weitwinkliges Objektiv wirken. Bei einem Timelapse geht es vor allem darum, Bewegungen im Zeitraffer zu zeigen. Man sollte sich also schon vorher grundlegend Gedanken darüber machen, was man in seinem Film zeigen will und diese Erkenntnisse in die Standortwahl einfließen lassen. Nichts ist langweiliger, als ein Timelapse, wo nichts passiert – da wäre ein Standbild dann doch weitaus weniger effektiver ;-). Beim Messen der Belichtung ist es ratsam, sich für die Spotmessung zu entscheiden und einen Punkt anzuvisieren, der (vermutlich) keinen größeren Schwankungen in der Belichtung ausgesetzt ist.

Die Dauer:
Eine mindestens ebenso wichtige Frage ist die nach der finalen Dauer des Filmes. Diese hängt nämlich direkt mit dem zu wählenden Auslöseintervall zusammen. Hier kommt man am besten, wenn man alle Parameter zusammenträgt, um sich dann mit diesen Informationen für ein Intervall zu entscheiden. Folgende Dinge können diese Entscheidung beeinflussen:

  • Speicherplatz
  • verfügbare Akkuleistung
  • fps (Frames pro Sekunde) des fertigen Filmes
  • Schnelligkeit der Bewegung der Objekte (schnell=geringes Intervall, langsam=größeres Intervall)
  • Dauer der „Aktion“ (Sonnenauf-/Sonnenuntergang)

Der Akku:
Auch Anfängern im Bereich der Timelapse-Fotografie sollte klar sein, dass das stundenlange Geknipse auf den Akku geht. Bestenfalls hat man genügend Akkus zum Wechseln dabei, und muss sich nach dem Akkuwechsel dann nur noch mit dem mehr oder weniger nahtlosen Fortsetzen der Sequenz rumärgern. Nicht wenige behelfen sich auch mit einer Autobatterie, die dann mittels Adapter der Kamera den Saft spendiert. Fürs erste sollte aber auch ein Batteriegriff reichen, der immerhin schon die doppelte Kapazität im Vergleich zum Standardakku liefert. In meinem Fall hat der Originalakku die ganzen vier Stunden (2650 Auslösungen) durchgehalten. Auf jeden Fall sollte man versuchen, den Stromverbraucher Nr. 1 – das Display – zu deaktivieren. Hier macht sich das Klappdisplay der 60D ganz gut. Umgedreht & rangeklappt und schon geht es von alleine aus.

Die Speicherkarte:
Auch hier sollte man gut vorbereitet sein. Hat man die Dauer des Shootings einigermaßen genau eingegrenzt, weiß man auch, mit welchem Datenvolumen man zu rechnen hat. Man kommt dabei schnell in Versuchung, sich für JPEG an Stelle von RAW zu entscheiden. Fast alle Argumente sprechen für RAW – bis auf den Speicherplatzverbrauch. Ist man sich sicher, dass man lediglich HD-Auflösung benötigt, sollte man um Speicherplatz zu sparen, die Auflösung so weit wie möglich herunterschrauben. Bei meiner Canon 60D verbraucht sRAW (2.592×1.728 Pixel) nur ein 1/3-1/2 soviel Speicherplatz wie RAW. Auf die Qualitäten des RAW-Formats muss man dabei natürlich nicht verzichten.

Der Verschluss:
Neulinge wie ich machen sich in Hinsicht auf die Timelapse-Fotografie Sorgen um die Haltbarkeit ihrer euren Spielzeuge. Glaubt man den Angaben von Canon, ist die Lebensdauer des Verschlusses direkt proportial zu den Kosten der Kamera. Während Canon bei der 7D noch 150.000 fehlerfreie Auslösungen verspricht, sind es bei der 60D schon „nur“ noch 100.000. Wenn man bedenkt, dass man für eine einzige Timelapse-Seqenz locker mehrere tausend Fotos machen muss, kann einem schon etwas mulmig werden. Ich kann die Angaben von Canon weder bestätigen, noch dementieren. Vielmehr möchte ich an dieser Stelle auf ein Zitat von LRTimelapse-Erfinder Gunther Wegner verweisen.

Die Praxis:
Das Hauptproblem bei Timelapse-Videos sind sicherlich die sich ändernden Lichtverhältnisse. Dazu muss man gar nicht die Extreme beim Sonnenuntergang/-aufgang betrachten. Schon die Wolke, die sich vor die Sonne schiebt, verändert die Lichtmenge, die auf den Sensor trifft. Die Kameraautomatik würde jetzt recht stupide versuchen, diverse Einstellungen (Belichtungszeit, Blende, Weißabgleich) anzupassen, um das entstehende Foto ihrer Meinung nach optimal zu belichten. Bei einem Zeitraffer-Video, wo letztendlich mehrere Einzelbilder zu einem Film zusammengefasst werden, würden diese „Sprünge“ in den Einstellungen zu einem störenden Flackern führen. Aus diesem Grund gilt in erster Linie die Devise: So viele Einstellungen wie möglich nicht der Automatik überlassen. Sollte man tatsächlich mal um eine Automatik nicht herumkommen, sollte man auf jeden Fall die Blende fest einstellen (Zeitautomatik, AV). So lange, wie sich der Lichteinfall nicht drastisch ändert, kann man mit manuellen Einstellungen sehr gute Ergebnisse erzielen. Neigt sich die Sonne aber gen Horizont, muss man die Einstellungen an seiner Kamera zwangsläufig anpassen. Bekommt man bei voller Sonneneinstrahlung und einer Belichtungszeit von 1/1000 Sekunde noch ein perfekt belichtetes Foto zu Stande, hat man mit abnehmendem Licht Dank der zunehmenden Dunkelheit irgendwann nur noch ein gleichmäßiges Schwarz auf dem Foto. Beim Nachjustieren sollte man darauf achten, die Bilder eher unter- als überzubelichten. Es ist schon erstaunlich, wie viel man noch aus einem fest komplett dunklen RAW-Foto rausholen kann. Manipuliert man zwischendurch jedoch die Kameraeinstellungen von Hand, hat man später im Bewegtbild zwangsläufig größere Sprünge in der Belichtung. An dieser Stelle kommt LRTimelapse zum Einsatz. Mit dieser Software von Gunther Wegner kann man diese Sprünge komplett entfernen oder zumindest in sehr viel weichere Übergänge transformieren lassen. Zudem kann man mittels Keyframes bestimmte Einstellungen animieren. Eine kleine Kurzeinleitung zu den möglichen Workflows gibt es auf lrtimelapse.com. Interessant für den Einstieg sind die Seiten „Tutorial“ und „Workflows„.

Was haben wir bisher gelernt? Richtig: Manuelle Einstellungen sind das A&O. Für mein erstes Timelapse habe ich mich jedoch mehr oder weniger dagegen entschieden und mich zur Nutzung von „Bulb Ramping“ hinreißen lassen. Dies ist als Option Bestandteil der „Intervalometer“-Funktion von Magic Lantern. Magic Lantern wiederum ist eine alternative Firmware für Canon-Spiegelreflexkameras. Einmal installiert (Anleitung zur Installation) ermöglicht sie eine weitaus größere Funktionsvielfalt (siehe User-Guide), als Canon bisher im Stande war, in der originalen Firmware zu integrieren. Für den Bereich Timelapse-Fotografie gibt es mit dieser Firmware die Möglichkeit, in einstellbaren Intervallen Fotos aufzunehmen. Was genau sich hinter der angesprochenen „Bulb-Ramping“-Methode versteckt und wie man diese anwendet, kann man ebenfalls im User-Guide auf dieser Seite nachlesen. Bei der von mir genutzten Version 2.2 waren leider noch keine so detailierten Einstellungen verfügbar, wie sie in der aktuellen Version 2.3 möglich sind. Prinzipiell berechnet die Kamera bei dieser Option die Belichtung des aktuellen Fotos anhand des zuletzt gemachten. Somit können die Sprünge in der Belichtung wesentlich weicher abgefedert werden. Besonders kurz nach Sonnenuntergang, wurden die Sprünge in der Belichtung bei mir jedoch recht deutlich, was im Endergebnis auch zu einem (trotz aller Manipulationen mit LRTimelapse) sichtbaren Flickern führt. Dabei habe ich schon die größten Sprünge manuell entfernt, indem ich einfach einige Frames gelöscht habe. Dies kann man sich natürlich nicht bei allen Arten von Motiven erlauben. Inwieweit die zusätzlichen Optionen der neu herausgekommenen „Magic Lantern“-Version hier Abhilfe schaffen können, oder ob ich vielleicht sogar grundsätzliche Dinge falsch angegangen bin, werden die nächsten Versuche zeigen. So – viel geschrieben – lassen wir nach den vielen Worten nun endlich Taten sprechen:

Timelapse#01 from blechkopp on Vimeo.

Für das erste Mal ist das Ergebnis meiner Meinung nach eher bescheiden (bis auf das exakte Timing der Musik). Die Fehler sind (gerade Richtung Ende des Filmchens) ziemlich offensichtlich und leider auch zahlreich. Ich habe lange überlegt, ob ich meinen Versuch tatsächlich zeigen soll. Ich habe mich dann doch dafür entschieden – quasi als Sammelsurium dessen, was man alles falsch machen kann ;-). Zumindest weiß ich ungefähr, was ich alles besser machen könnte. „Bulb Ramping“ lasse ich das nächste mal weg. Manuelle Belichtung mit minimaler Unterbelichtung ist da angesagt. Auf alle Fälle habe ich nun Blut geleckt und Lust auf mehr bekommen. Schauen wir mal, ob es eine Fortsetzung in dann hoffentlich deutlicher besserer technischer Qualität gibt.

Insgesamt habe ich in knapp 4 Stunden (zwischen 17:45 und 21:35) 2650 Fotos gemacht und dabei 25 GB Bilddaten auf die Speicherkarte geschaufelt. Während dieser Zeit wurde ich vier Mal gefragt, was denn das da auf den Elbwiesen heute für ein Menschenauflauf wäre. Zwei mal sollte ich für Touristen Fotos machen und einmal sprach mich jemand an, der auch schonmal Timelapse-Filme gemacht hat.

PS: Für den Ballonfahrer habe ich keinen Cent bezahlt – ehrlich! Der hat sich einfach so vor die Linse geschlichen und somit immerhin für ein wenig Action gesorgt.

12 Kommentare

12 Kommentare zu “Timelapse: Mein erstes Mal”

  1. […] 19. Große Worte (Taucha/1448) 20. medienrauschen (Leipzig/1484) 21. PadMania.de (Dresden/1550) 22. Blechblog (Dresden/1588) 23. spreadshirt (Leipzig/1646) 24. glossy world (Dresden/1730) 25. Thomas Schneider […]

  2. Clemensam 17. Aug 2012 um 22:54 Uhr

    Der Ballon macht es wirklich spannender. Ist doch ganz schön lange die selbe Action. Leute knapp 2 min beim hin- und herlaufen an immer dem selben Ort zu zusehen, ist dann vielleicht doch nicht das wahre. Aber mein Respekt für dich, du hast 4 Stunden durchgehalten 😉

  3. blechkoppam 17. Aug 2012 um 22:59 Uhr

    …ich hatte ja gehofft, dass sich die Menschenmasse wie am Vortag auch bis zur Brücke schlängelt und dadurch etwas Bewegung entsteht. Leider stand die Schlange am Samstag am Eingang gegenüber…:-(

  4. Daniel Weigeltam 18. Aug 2012 um 01:03 Uhr

    Also ich finde es echt cool! Nur am Ende hört es zu abrupt auf. Aber der Ballonfahrer fetzt und der Schatten der Brücke kommt auch gut an. Weiter so!

  5. sebastianam 22. Aug 2012 um 10:38 Uhr

    als jemand der keine Ahnung von den Feinheiten hat muss ich auch sagen das es doch gut gelungen ist. Das Motiv macht da ja schon 80% aus und auf die Technik und korrekte Belichtung achtet man erst beim dritten ansehen.

  6. kamikaze187am 22. Aug 2012 um 21:50 Uhr

    Noch zwei kleine Tipps am Rande. Um das Flickern weiter zur verringern empfiehlt es sich mit Offenblende zu fotografieren, denn anscheinend ist die Anpassung der Offenblende zu einer eingestellten Arbeitsblende nicht immer 100% gleich und wenn man dann schon Offenblende eingestellt hat muss nix mehr geändert werden. Das zweite was ich immer vergessen habe ist den IS zu deaktivieren.

    Aber wie machst du das so lange durchzuhalten mit nur einem Bier? ..Wahnsinn!!!

  7. Basterusam 27. Aug 2012 um 13:13 Uhr

    Hi, nett gemacht aber da gibt noch einiges was du beim nächsten mla verbessern kannst 🙂

    versuch mal etwas Bewegung da rein zu bringen, ein Kameraschwerk macht es spannender..
    dann noch der Übergang zur Nacht ruckelt ziemlich.. das kann man auch fließend machen..

    schau dir dafür am besten mal LRTimelapse an. da gibt es die perfekte Software als Ergänzung um das angesprochene zu realisieren 🙂

    Mein ersten Video kannst du dir aber auch gern hier ansehen:
    http://www.basterus.de/timelapse_fotografie_dresden/

    Viele Grüße
    Basterus

  8. Spotlight (83) | Das rote Blogam 30. Aug 2012 um 08:48 Uhr

    […] Ich finds schick: Timelapse: Mein erstes Mal […]

  9. blechkoppam 01. Sep 2012 um 20:46 Uhr

    @kamikaze187: Blende habe ich natürlich auch aufgerissen. Das Flickern kommt bei mir hauptsächlich durch dieses „Bulb Ramping“ von Magic Lantern. Dadurch springt die Belichtung immer mal wild hin und her. Da hat in meinem Fall auch LRTimelapse kapituliert.

    @Basterus: Schönes Filmchen – danke für den Link. Mit ein bisschen Übung komme ich vielleicht auch noch dorthin. Welchen Slider hast du denn benutzt?

  10. Bewegendes Timelapse ohne Slideram 09. Okt 2012 um 20:38 Uhr

    […] ich weiß. Ich bekomme ja nichtmal ein ordentliches Timelapse ohne zu Stande. […]

  11. Hyperlapse: Mein erstes Malam 25. Okt 2012 um 20:16 Uhr

    […] ich vor wenigen Monaten bereits mein erstes mehr oder weniger vorzeigbares Timelapse präsentiert habe, habe ich mich am vergangenen Wochenende an ein Hyperlapse gewagt. Ein Hyperlapse […]

  12. LRTimelapse: Vortrag in Dresdenam 11. Jun 2013 um 22:50 Uhr

    […] zur Freude aller auch deutlich überzogen. Obwohl ich Dank meiner bescheidenen zwei Versuche (#1, #2) der Meinung bin, in der Vergangenheit schon einiges über Zeitraffer in Erfahrung gebracht zu […]

Einen Kommentar hinterlassen


Spammen zwecklos!
Lediglich zum Zwecke der Linkverbreitung abgegebene Kommentare werden kommentarlos gelöscht!