Sep. 16 2007
Optischer Bildstabilisator bei DSLRs
Neben den eher fragwürdigen immer höheren Pixelzahlen, ist momentan vor allem der Bildstabilisator ein gern zitiertes Verkaufsargument bei Digitalkameras. Dabei kann man zwischen zwei verschiedenen Verfahren unterscheiden.
Bei der optischen Bildstabilisierung sind entweder die optischen Elemente (Linsen, Prismen) oder der CCD-Sensor sowohl vertikal als auch horizontal beweglich gelagert, so dass kleinste Verwacklungen der Kamera mechanisch ausgeglichen werden können. Bei der sogenannten digitalen bzw. elektronischen Bildstabilisierung handelt es sich um Verfahren, die die jeweilige Sensorempfindlichkeit automatisch den Lichtverhältnissen anpassen, und somit eine höhere Belichtungszeit gewährleisten können. Da sich jedoch die Erhöhung der Empfindlichkeit gerade bei den Kompaktkameras besonders negativ auf das Rauschverhalten auswirkt, ist diese Form der (zugegebenermaÃ?en kostenkünstigeren) Unterbindung von Verwacklungen eher für die Marketingabteilungen der Herstellerfirmen interessant. Um noch ein wenig mehr Verwirrung zu stiften, haben sich die Hersteller auch gleich zahlreiche eigene Bezeichnungen für eigentlich identische Methoden zur Bekämpfung von Verwacklungen ausgedacht:
Optische Bildstabilisatoren im Objektiv:
- Image Stabilizer (IS) von Canon
- Vibration Reduction (VR) von Nikon
- Optical Stabilizer (OS) von Sigma
- Vibration Compensation (VC) von Tamron
- Optical Image Stabilizer (O.I.S.) von Panasonic
Optische Bildstabilisatoren in der Kamera (beweglicher CCD-Sensor):
- Super Steady Shot (SSS) von Sony
- Anti-Shake-System (AS) von Konica Minolta
- Shake Reduction System (SR) von Pentax
- Vibration Correction von Ricoh
- Image Stabiliser (IS) von Olympus
Elektronische Bildstabilisierung:
- electronic Vibration Reduction (e-VR) von Nikon
- Anti-Shake-DSP von Casio
- Anti-Shake-Reduction (ASR) von Samsung
Meine ersten Erfahrungen mit einem optischen Bildstabilisator konnte ich mit einer Panasonic Lumix FZ-20 sammeln. Gerade bei Mega-Zoom-Kameras mit groÃ?en Brennweiten ist ein derartiges Verfahren sehr hilfreich. Beim Fotografieren ohne Stativ spricht man von der sogenannten „Freihandgrenze“. Diese beschreibt die minimale Belichtungszeit, bei der man ein Motiv ohne Stativ verwacklungsfrei ablichten kann. Diese kann man sehr leicht aus dem Kehrwert der jeweiligen Brennweite ermitteln. Der maximale optische Zoom meiner damaligen Lumix FZ20 betrug umgerechnet 432mm. Somit hätte ich ohne Bildstabilisator mindestens 1/400s (oder kürzer) benötigt, um ein Motiv bei Ausnutzung der maximalen Brennweite aus der Hand verwacklungsfrei abzubilden. Ein bewölkter Tag kann da schon ausreichen, um diese kurzen Belichtungszeiten nicht mehr erreichen zu können. Mit aktiviertem optischen Bildstabilisator versprechen die Hersteller einen Gewinn von bis zu vier Blendenstufen beziehungsweise eine bis zu 16-fach längere Belichtungszeit. Diese Zahlen sehen auf den ersten Blick sehr überzeugend aus. Dennoch sollte man wissen, dass diese Technik kein Allheilmittel gegen jede Art von Verwacklungen darstellt. Ungewollte Bewegungsunschärfen, die vom Motiv ausgehen, und die durch zu wenig Licht entstehen, kann man mit einem derartigen Bildstabilisator nicht ausgleichen. Hier hilft nur entweder die brutale Methode der Erhöhung der Empfindlichkeit, oder der Kauf eines besonders lichtstarken teuren Objektivs. Denn Merke: Lichtstärke ist durch nichts zu ersetzen…
Während es im Bereich der digitalen Kompaktkameras keinen Hersteller mehr gibt, der nicht mindestens ein Modell mit optischem Bildstabilisator anbietet, musste man bei Digitalen Spiegelreflexkameras bis vor einiger Zeit noch komplett auf direkt in den Kameras verbaute optische Bildstabilisatoren verzichten. Gerade die beiden groÃ?en Hersteller Canon und Nikon beschränkten sich darauf, einige wenige teure Objektive mit Bildstabilisator anzubieten. Der finanziell nicht ganz so gut ausgestattete anspruchsvollere Hobbyfotograf fragte sich dann natürlich, warum man den Stabilisator nicht direkt in der Kamera verbauen würde. In einem solchen Fall könnte man die bisweilen doch ganz brauchbare Technik wahlweise für jedes Wechselobjektiv nutzen und müsste nicht bei jedem neuen Objektiv die Technik wieder neu bezahlen. Sowohl Canon als auch Nikon haben im Bereich der digitalen Kompaktkameras durchaus Modelle anzubieten, die einen echten optischen Bildstabilisator besitzen. Lediglich bei den DSLRs kam man bisher leider noch nicht auf die Idee.
Wie so oft haben dafür andere, weitaus weniger angesehene Hersteller diese Idee aufgegriffen und Digitale Spiegelreflexkameras entwickelt, die diese Technik unterstützen:
- Olympus E-510
(FourThirds-Bajonett)
- Pentax K10D
und Pentax K100D
(Bajonett Pentax K)
- Samsung GX-10
(Bajonett Pentax K-AF)
- Sony A100
(Minolta-A-Bajonett)
Canon und Nikon haben durch ihre Zurückhaltung auf diesem Gebiet den ambitionierten DSLR-Fotografen ein entscheidendes Argument geliefert, doch mal zu einem Konkurrenzmodell eines anderen Herstellers zu greifen. Am interessantesten bei diesen Modellen sind meiner Meinung nach die Pentax K10D und die Sony A100. Leider haben alle diese Kameras den Nachteil, dass es nur eine sehr beschränkte Auswahl von Wechselobjektiven gibt. Bleibt zu hoffen, dass sich die beiden groÃ?en Hersteller für die nächsten Generationen von DSLRs dafür entscheiden, optische Bildstabilisatoren zu integrieren.
Ein Kommentar zu “Optischer Bildstabilisator bei DSLRs”




Also bloÃ? nicht den Bildstabie in der Cam, wenn möglich immer im Objektiv.
Wer beides mal getestet hat, weiÃ? wo von ich rede.
Der unterschied ist deutlich im Sucher zu erkennen.
MFG
Octron