Bewegung - Kamera - Nachbearbeitung - Weitwinkel

Okt 25 2012

Hyperlapse: Mein erstes Mal


Nachdem ich vor wenigen Monaten bereits mein erstes mehr oder weniger vorzeigbares Timelapse präsentiert habe, habe ich mich am vergangenen Wochenende an ein Hyperlapse gewagt. Ein Hyperlapse ist im Prinzip ein Timelapse mit Bewegung in Form von „Kamerafahrten“. Wie man dies genau bewerkstelligt, habe ich hier schonmal erwähnt. Das Besondere: Es kommen keine komplizierten Slidertechniken zum Zuge. Die Bewegung entsteht vielmehr durch die stetige Veränderung der Kameraposition an der gedachten Linie der späteren Kamerafahrt entlang. Klingt kompliziert – ist es aber gar nicht. Aber es ist anstrengend, denn es bedeutet, das Stativ für jedes Bild ein Stückchen in die gewünschte Richtung zu versetzen. Und es sieht für nicht Eingeweihte auf den ersten Blick bescheuert aus. In meinem Fall war ich für rund 300 Einzelaufnahmen 45 Minuten lang unterwegs. Einen netten Herrn, der sich für mein Treiben interessierte, entgegnete ich auf die Frage, warum ich denn ständig Fotos von der Frauenkirche machen würde mit den Worten: „Ich bin einfach immer so unzufrieden“. 😉 Bevor ich das sicherlich nicht perfekte aber durchaus zeigenswerte Ergebnis präsentiere, für alle Interessierten noch kurz ein paar Fakten:

  1. Equipment (wieder mit Amazon-Links 😉 ):
    Canon EOS 60D
    Sigma 17-70 mm F2,8-4,0
    Manfrotto M-Y 732CY + 494RC2 Kugelkopf
  2. Nachbearbeitung:
    Adobe Lightroom 4.1
    Adobe After Effects CS6

Als Motiv für meinen kleinen Test habe ich mir die Dresdner Frauenkirche ausgesucht. Da kann man nicht viel falsch machen – habe ich mir gedacht. Ich hatte mir vorgestellt, mich kreisförmig in immer gleichem Abstand zur Frauenkirche langsam über den Neumarkt zu bewegen. Spontan hätte ich mir den größtmöglichen Weitwinkel als Brennweite ausgewählt, um das Motiv und seine Umgebung bestmöglich zur Geltung kommen zu lassen. Einige Hinweise im Netz legten jedoch nahe, dass gerade durch die umfangreiche Nachbearbeitung beim Zusammenführen der Bilder zu einer harmonischen Bewegung, die Verzerrung extremer Weitwinkel hinderlich sein könnte. Somit entschied ich mich für 17mm (mit einberechnetem Crop 27mm). Schaut man sich den Bildausschnitt an, hätte ich mir schon etwas mehr Weitwinkel gewünscht. Generell kann man den Tipp geben, dass man bei der Wahl des Ausschnitts den unter Umständen bei einem 16:9 Bildformat entstehenden Beschnitt im Hinterkopf haben sollte. Bei meinem Beispiel war die Änderung des Bildformats bei der Nachbearbeitung leider nicht mehr möglich.

Ansonsten kann man sich bei den Einstellungen an der Kamera an die Grundregeln des Timelapse halten: So viel wie möglich manuell einstellen und jegliche Automatik (Autofokus, Weißabgleich, Blende, Belichtungszeit, ISO, Bildstabilisator, Brennweite…) deaktivieren. Sollte es gravierende Änderungen bei der Belichtung (Sonnenauf-/untergang) geben, sollte man dies ebenfalls manuell während der Aufnahmen nachjustieren. Ich habe mir angewöhnt, immer etwas unterzubelichten. Damit hat man genügend Reserven und muss nicht gleich bei jeder vorbeiziehenden Wolke Angst vor einer Überbelichtung haben.

Ein spezieller Tipp für Hyperlapse-Aufnahmen ist die Fixierung eines Punktes des Motives mit einem Punkt im Sucher/Display der Kamera. Ich habe mit einem Sensor im Sucher der Kamera immer das gleiche Fenster an der Kirche anvisiert und somit erreicht, dass die Kirche optisch immer exakt an der gleichen Stelle stehenzubleiben scheint.

Eine weitere „Unbekannte“ war für mich die Entfernung, die man zwischen zwei Bildern mit dem Stativ zurücklegen sollte. Klar ist: je geringer der Abstand zwischen zwei Aufnahmen, desto flüssiger die Bewegung. Klar ist aber auch, dass man irgendwann ein Zeitproblem bekommt – gerade wenn man eine ganz bestimmte Lichtsituation einfangen will. Ich habe mich für 15-25cm entschieden.

Leider habe ich ab und an die Kamera nicht exakt horizontal ausgerichtet. Somit entstanden kleinere erst im Nachhinein sichtbare horizontale Verwacklungen. Hier hätte ich konsequenter die eingebaute elektronische Wasserwaage meiner 60D nutzen müssen. Bei der späteren Nachbearbeitung lassen sich diese Schnitzer nur mit viel Aufwand und bisweilen nicht zufriedenstellendem Ergebnis herausarbeiten. Gleiches gilt für an zwei Stellen zu ruckartigen Änderungen der Entfernung zum Motiv. Kommen dann mehrere dieser Defizite bei einem Bild zusammen, entstehen solche scheinbar effektvollen aber doch irgendwie unschönen kurzzeitigen Verzerrungen (siehe Sekunde 6 und 14).

So – genug geschwafelt – hier das Ergebnis:

Fazit: Leider (wie immer) nicht perfekt, macht aber Lust auf mehr.

10 Kommentare

10 Kommentare zu “Hyperlapse: Mein erstes Mal”

  1. kamikaze187am 25. Okt 2012 um 20:44 Uhr

    na das sieht doch schonmal sehr gut aus, glückwunsch! ich hätte ja zu anfang nicht gedacht das es im ergebnis doch so flüssig wikrt. ich glaub die t-recs jungs haben diese technik auch verwendet.

  2. blechkoppam 25. Okt 2012 um 20:50 Uhr

    Danke für die Blumen. Ich werde mich vielleicht demnächst nochmal mit dem Weitwinkel an gleiche Stelle begeben. Am meisten stört mich zumindest der sehr „beengte“ Bildausschnitt. Interessant wäre auch mal zu untersuchen, ob die Objektivkorrektur vom Lightroom vielleicht nicht doch schon die größten Verzerrungen korrigiert, so dass dann die Stabilisierung im After Effects vielleicht auch gar keine so großen Probleme mehr mit kleineren Brennweiten hat…

  3. Daniel Weigeltam 26. Okt 2012 um 01:03 Uhr

    Echt gut. Ich finds nur etwas zu schnell. Aber für langsamer müsstest Du wohl noch mehr Bilder machen. Mir würde dafür schon die Geduld fehlen.

  4. DasFaultieram 26. Okt 2012 um 08:57 Uhr

    Wirklich klasse geworden, mir gefällt’s sehr gut. Ich denk‘ auch, dass die Lightroom-Objektivkorrektur sicherlich Wunder wirkt – vor allem, wenn dein Objektivprofil hinterlegt ist. Wenn ich mal die Zeit hab‘ (na klar… ), werd‘ ich mich auch mal an sowas wagen, das ist schon ziemlich cool!

  5. derbaumam 26. Okt 2012 um 10:58 Uhr

    toll, einerseits dich ans thema zu wagen, andererseits das ergebnis! mit dem „einen tick zu schnell“ stimme ich allerdings überein….

    bin gespannt auf mehr… 🙂

  6. robertam 28. Okt 2012 um 00:24 Uhr

    geiles Video! Sehr flüssig! Am ende brauchst du halt viele Einstellungen von unterschiedlichen Objekten um diese zu einem längeren Video zusammen zu setzen. Im Winter ist das halt schwierig, weil die Zeit meistens nicht ausreicht.

  7. blechkoppam 28. Okt 2012 um 18:51 Uhr

    Danke für das Feedback – freut mich, dass es gefällt.

    Ich denke, dass man mit mehr Weitwinkel bei gleicher oder geringfügig höherer Bilderanzahl eine (subjektiv) weniger hektische Bewegung hinbekommt. Ich habe die Anzahl der Bilder pro Sekunde für den Testfilm bereits von 30 auf 25 reduziert – war ursprünglich also noch einen Zacken schneller. Alternativ müsste man tatsächlich noch etwas mehr Zeit in noch mehr Bilder investieren…und ob das der auch bei mir nicht besonders widerstandsfähige Geduldsfaden aushält…;-)

    Wie gesagt – wenn das Wetter mitspielt werde ich mich demnächst nochmal an Ort und Stelle begeben und das Ganze nochmal mit leicht veränderten Einstellungen durchziehen. Sollte dies zu einem noch besseren Ergebnis führen, könnte ich mir auch einen längeren Zusammenschnitt von verschiedenen Motiven vorstellen…schaunwama.

  8. Olliam 04. Nov 2012 um 00:14 Uhr

    Hi,

    sehr gut! Ich wage mich langsam auch an Hyper-/Walklapse neben Timelapse ran. Für einen ersten Test ist das genial. Wenn ich Kritik üben darf: das Wetter war zu gut 😉 Ein Hyperlapse ist ja gerade deshalb so interessant, weil eben Wetter, Autos, Züge, Schiffe, etc. auf ein mal so schnell „fliegen“. Ein paar mehr Wolken und man hat einen richtigen „Boooom“-Effekt.

    Was mich interessieren würde: Abstand in Sekunden der Bilder / ca. Abstand der einzelnen Bilder

    LG
    Olli

  9. blechkoppam 04. Nov 2012 um 15:10 Uhr

    @Olli: Ja, das Wetter. Ich war glaube ich an dem Tag der einzige, der sich an diesem Tag Wolken gewünscht hat. 😉

    Zum Abstand der Bilder: Ich habe darauf verzichtet, ein automatisches Intervall zu setzen. Das hat zwar den Nachteil, dass man immer wieder auf den Auslöser drücken muss…bringt einem aber mehr Freiheiten in der Gestaltung. Außerdem bewegen sich immer mal Menschen durchs Bild. Grob geschätzt liegen zwischen den Bildern 5-15 Sekunden.

  10. LRTimelapse: Vortrag in Dresdenam 12. Jun 2013 um 07:05 Uhr

    […] zur Freude aller auch deutlich überzogen. Obwohl ich Dank meiner bescheidenen zwei Versuche (#1, #2) der Meinung bin, in der Vergangenheit schon einiges über Zeitraffer in Erfahrung gebracht zu […]

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