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Mai 09 2011

Zensus 2011

Kategorie Dies & Das


Heute starten die Befragungen zur Volkszählung. Wie auf Kommando beginnen die öffentlich-rechtlichen mit der erstaunlich positiven Berichterstattung. Im Morgenmagazin berichtet Sven Lorig mit seinem typischen und wie so oft unangebrachten lausbübischem Grinsen, dass es anders als noch in den 80-er Jahren kaum kritische Stimmen geben würde. Er vermutet, dass dies mit dem mittlerweile deutlich lachseren Umgang der Internet-Gesellschaft mit den eigenen Daten zusammenhängen könnte. Man teilt ja auch Facebook&Co intimste Details aus seinem Privatleben mit – warum dann nicht auch dem Staat? Stimmt – aber auch wenn man uns oft mit dem Gegenteil Angst einjagen will ist und bleibt es meine Entscheidung, ob und wenn ja in welchem Umfang ich Daten im Internet preisgebe. Bei der aktuellen sogenannten Volksbefragung ist man – so man denn zu den (un)glücklichen gehört – zur Auskunft verpflichtet.

Im MDR Sachsenspiegel werden gleich meterhohe Eisengitter gezeigt, die offensichtlich die Sicherheit der Daten visuell untermauern sollen. Gleichzeitig erklärt ein älterer Herr, dass dies nicht die einzige MaÃ?nahme sei, sondern auch die Rechner sicher wären, da diese nur intern miteinander verbunden wären. Dass man die Formulare auch online ausfüllen kann und damit ja in irgendeiner Weise schon eine Verbindung mit dem Internet bestehen muss, scheint er nicht für erwähnenswert zu halten. Im Grunde ist das ja aber auch nicht das wirkliche Problem, sondern die grundlose massive Sammlung, Speicherung und Verknüpfung von persönlichen Daten.

Meiner Meinung nach schieÃ?t Deutschland mit den aktuellen Befragungen deutlich über das Ziel hinaus. Es wird ein teurer, schwer zu kontrollierender Datenpool geschaffen, von dem man obendrein scheinbar noch nicht so recht weiÃ?, was man damit anfangen soll. In sicherlich nicht ganz billigen Werbesports findet man dürftige Erklärungen zu dem Warum & Weshalb. Da wird uns erklärt, dass es doch besonders wichtig wäre zu wissen, wieviele Studienplätze wir so in Zukunft brauchen. Ist das so? Ist noch keiner auf die Idee gekommen, bestehende Daten auszuwerten? Es kann mir keiner erklären, dass für die Beantwortung dieser Frage die aktuellen Geburtenraten der jeweiligen Jahrgänge nicht ausreichen würden. Wobei – wenn ich mir die aktuellen Fehlplanungen hier in Dresden in Hinsicht auf die stetig wachsenden Schülerzahlen so anschaue, kommen mir schon so meine Zweifel. Man will uns erklären, dass man doch genau wissen muss, wo genau wieviele Migranten in Deutschland so leben. Man könnte dann mit diesen Informationen die aktuell unbestreitbar vorhandenen Integrationsprobleme besser lösen? Aha? Dazu brauche ich wirklich eine Volksbefragung? Da muss ich nur mal durch die entsprechenden Viertel in den GroÃ?städten schlendern und vielleicht bei der Gelegenheit auch gleich mal mit den „Betroffenen“ reden. Achso – und dann will man ja auch noch die tatsächliche Bevölkerungszahl ermitteln. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Informationen der Meldeämter da nicht ausreichend sind. Klar gibt es immer jemanden, der nicht an seinem tatsächlichen Wohnort gemeldet ist. Aber ist das tatsächlich die Masse und damit von Belang? Kann ich mit einer Befragung unter zufällig ausgewählten 10% der Bevölkerung die Genauigkeit dieser Zahl tatsächlich verbessern – und wenn ja – was bringt mir das – zumal die Zahlen ja erst im Herbst nächsten Jahres ermittelt und damit schon veraltet sein werden.

Ich persönlich habe keine Aufforderung zum Ausfüllen des Fragebogens bekommen. Ich würde mich auch irgendwie versuchen, dagegen zu wehren. Wenn ich mich jedoch im Internet so umschaue, scheint das gar nicht so einfach zu sein. Mal unter uns – wäre es nicht denkbar die zu machenden Angaben nicht ganz so genau zu nehmen und die Kreuze frei nach Lust&Laune zu setzen? Oder begehe ich dann schon eine Ordnungswidrigkeit und muss im Ernstfall ein BuÃ?geld überweisen?

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