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Juli 15 2008

Tour de France ist was für Weicheier!

Kategorie Dies & Das


Bereits kurz nachdem ich heute morgen mein Rad bestieg war klar, dass heute ein besonderer Tag werden würde. Wenige Meter bevor ich die einzige Hautverkehrsader meines Arbeitsweges kreuzte, überholte ich mit meinem typischen morgentlich-verschlafenen Schwung einen anderen Radfahrer gesetzteren Alters. Kein Gegner für den heutigen Morgen – dachte ich noch so bei mir – und brauste ohne anzuhalten eine scheinbar-unscheinbare Lücke ausnutzend über die inoffiziell 4-spurige StraÃ?e. Aus dem linken Augenwinkel heraus bemerkte ich, dass sich der gerade überholte Radfahrer doch etwas grämte, da er die von mir erkannte Lücke im Verkehr nicht direkt ausgenutzt hatte. In der Gewissheit, die soeben gemachte Bekanntschaft nie wieder zu sehen, nahm ich mit Leichtigkeit den ersten nicht zu unterschätzenden Anstieg meines morgentlichen Arbeitsweges. Am Gipfel angekommen bemerkte ich während der Ausführung des Abbiegevorgangs, dass sich mein Kontrahent noch lange nicht geschlagen geben wollte. Todesmutig musste er sich kurz nach mir in den Verkehr gestürzt und die StraÃ?e am FuÃ?e des Anstiegs unbeschadet überquert haben. Er hatte sogar bereits die folgende Bergetappe zur Hälfte bewältigt und brauste in Lance-Armstrong-Manier mit selbstbewusstem „Stechschritt“ heran.

Verdammt…der Typ war doch nicht kleinzukriegen…herrlich…das gibt wieder ein Duell! Frohen Mutes nahm ich einen kräftigen Zug frischer Umgebungsluft, schaltete rasch in den schwersten Gang und legte einen Zahn zu. Ohne die Miene zu verziehen und ohne mir die leichte Erhöhung der Trittfreqeuenz anmerken zu lassen, stellte ich mich der frühen Aufgabe. Davon unbeeindruckt kam mein neuer Freund kontinuierlich heran und verringerte den Abstand sukzessive. Wahrlich – ein harter Brocken! Als er nahezu auf gleicher Höhe war, nutzte ich dies, um seinen Drahtesel etwas genauer zu betrachten. Nun wurde mir so einiges klar. Sein Rad war für ein derartiges Rennen weitaus besser geeignet als das Meine. Schmale Reifen und ein scheinbar federleichter Rahmen mit Rennlenker standen meinem Mountainbike mit deutlich zu wenig Luft und einem ambitionierten aber im Grunde untrainierten Strampler gegenüber. Na toll – keine gute Ausgangsposition für einen souveränen Sieg. Dennoch konnte ich den Vorsprung auf eine halbe Radlänge stabilisieren. Vertieft darin, mir einerseites meine doch recht groÃ?e Anstrengung nicht anmerken zu lassen, und andererseits die Geschwindigkeit weiterhin zu erhöhen, senkte ich meinen Kopf immer weiter über den Lenker, um auch noch den kleinsten Vorteil des somit geringeren Luftwiederstandes ausnutzen zu können. Da unter dieser pfiffigen Taktik leider auch oft der „Blick nach vorne“ etwas zu leiden hat, bemerkte ich nicht, dass sich die StraÃ?enführung gegenüber dem Vortag leicht geändert hatte. Verdammt – Bauzaun wenige Meter voraus! Innerhalb von Bruchteilen einer Zehntel-Sekunde musste ich mich entscheiden: Links oder Rechts oder doch geradeaus? Da links mein Gegner schnaufte und geradeaus der Bauzaun stand, entschied ich mich für rechts und landete auf einem von Bauleuten provisorisch angelegten und eigentlich für FuÃ?gänger gedachten Weg Trampelpfad. Während mein Kontrahent auf der soeben fertiggestellten nagelneuen Asphaltpiste davonrauschte, holperte ich scheinbar chancenlos über den für Radfahrer wenig geeigneten Pfad dahin. Ich bin mir sicher aus der Ferne auf dem Gesicht meines Gegners ein gewinnendes Lächeln erkannt zu haben.

So nicht Freundchen…ich wollte mich noch lange nicht geschlagen geben!

Den Vorteil des besseren StraÃ?enbelages ausnutzend vergröÃ?erte sich der Abstand deutlich. Ich hatte schwer mit diversen Unebenheiten, plötzlich auftauchenden Passanten und im Weg stehenden Baumaschinen zu kämpfen. Mir blieb nur noch eine winzige Chance, das heutige Rennen für mich entscheiden zu können – die Ampel! Würde sie im richtigen Moment auf Rot schalten, könnte meine Chance auf einen Sieg trotz meines mittlerweile gewaltigen Rückstands wieder steigen. Und tatsächlich – der groÃ?e Ampelgott war mit mir. Just in dem Moment, als mein Rivale wenige Meter von der Ampel entfernt war, schaltete selbige auf Rot. Nun konnte ich mich entspannt zurücklehnen und mein Gewinnerlächeln vorbereiten um nach ein-zwei Haken ohne an irgendeiner Ampel halten zu müssen an ihm vorbeizuschweben…traumhaft! Ein wahrlich guter Start in den heutigen Tag!

2 Kommentare

2 Kommentare zu “Tour de France ist was für Weicheier!”

  1. Daniel Weigeltam 16. Juli 2008 um 06:43 Uhr

    *ggg* ICh fand es auch immer wieder sehr lustig, wenn ich bergauf mit dem Rennrad die Mountenbiker abgehangen habe. Fahr mal Rennrad, das ist was ganz anderes. 🙂

  2. blechkoppam 16. Juli 2008 um 20:27 Uhr

    DU gehörst also auch zu DENEN? 😉

    Ein neuer Drahtesel steht bereits auf meiner Einkaufsliste – nur leider noch nicht ganz oben. Ob es dann ein Rennrad wird möchte ich eher bezweifeln…bin eher der Gelände-Typ. Wenn dann wirds wahrscheinlich so ein „langweiliges Zwischending“…also von allem etwas & nix richtig.

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