Juni 09 2010
Das Logistikzentrum von Amazon in Leipzig: Das blanke Chaos
Heute durfte ich im Zuge einer Informationsveranstaltung zum Thema „Fulfillment by Amazon“ (FBA) das Logistikzentrum von Amazon in Leipzig besichtigen. Besonders interessierte ich mich für die Umsetzung der sogenannten „Chaos-Lagerhaltung“ (oder auch Dynamische Lagerhaltung). Bereits im Vorfeld hatte ich mich über das verblüffend einfache und unschlagbar effiziente „Chaos-Lager“ informiert.
Grundsätzlich geht es dabei darum, einzelne Artikel so unsortiert wie möglich in einem Lager zu verteilen. Klingt erstmal unglaublich dämlich – ist aber genau das Gegenteil. Mittels Strichcode wird einem Computersystem mitgeteilt, wo genau sich ein Artikel befindet. Wird der Artikel eingelagert, kümmert sich das System darum, dem Artikel einen möglichst platzsparenden Lagerort zuzuweisen. Wird der Artikel benötigt, weiÃ? der Computer, wo genau er zu finden ist. AuÃ?erdem ist er sogar in der Lage, den effektivsten Weg zu ermitteln, um unterschiedliche Artikel verschiedener Bestellungen „einzusammeln“. Dadurch, dass das System darauf achtet, die Artikel möglichst nicht am gleichen Ort einzulagern, liegen selten mehrere Artikel an der gleichen Stelle. Dies vereinfacht zum einen den Aufwand, um den Artikel wiederzufinden. Gleichzeitig sinkt die Verwechslungsgefahr und damit die Fehlerquote. Interessant ist auch die Tatsache, dass Amazon in bestimmten Fällen immernoch auf die konventionelle Lagerhaltung setzt und flexibel zwischen beiden Methoden wechseln kann – je nachdem, welche Methode für den jeweiligen Artikel effizienter ist.
Wenn ich es mir recht überlege, habe ich mich bereits in der Frühphase meines noch nicht allzulangen Lebens mit dem Prinzip der chaotischen Lagerhaltung beschäftigt. Gern denke ich an mein früheres Kinderzimmer zurück, in dem nur mir bekannt war, welches Spielzeug sich in welcher Ecke befand. Bis heute habe ich diese Techniken weiter verfeinert – und – wenn ich mir meinen aktuellen Schreibtisch so betrachte – geradezu zur Perfektion gebracht.
Doch zurück zu Amazon. Wie die Jungs und Mädels dort das theoretische Prinzip des „Chaotischen Lagers“ in der Praxis umgesetzt haben, ist zweifellos erstaunlich. Alleine schon die Dimensionen (LagergröÃ?e, Anzahl der Artikel, Anzahl aus- und eingelieferter Artikel pro Tag) sind gigantisch. Leider haben die Amazon-Mitarbeiter vor Ort (verständlicherweise) keine allzu genauen Zahlen rausgerückt. Aber schon die Tatsache, dass pro Tag hunderttausende (teilweise recht unterschiedliche) Artikel das Lager verlassen, macht die AusmaÃ?e einigermaÃ?en greifbar. Umso interessanter sind die vielen MaÃ?nahmen, die man ergriffen hat, um den stetig wachsenden Mengen Herr zu werden.
Aus aktuellem Anlass (Insider wissen Bescheid): Auch um die Sicherheit der eigenen Mitarbeiter ist man scheinbar sehr besorgt – wie dieses Foto beweist:

Insgesamt ein gelungener Ausflug. Hut ab auch an die anderen Besucher, die trotz der Hitze im Anzug erschienen waren. Als irgendwann die Meldung durchsickerte, dass die Klimaanlage an diesem bisher heiÃ?esten Tag dieses Jahres nicht funktionieren würde, konnte ich mir ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen – Schlipsträger – hihi. 😉



