Zalando - Unternehmen - Online-Versandhandel - Beitrag

Jul 30 2012

Zalando: Schreien! …aber nicht vor Glück!

Kategorie Internet-Zeugs


Zufällig bin ich letzte Woche vor dem Zubettgehen beim finalen Durchzappen bei der ZDF-Sendung „Zoom“ hängengeblieben. Das Thema der Sendung: „Gnadenlos billig – der Blick hinter die Kulissen des Online-Versandhandels„. Da mich beruflich dieses Thema durchaus interessiert, habe ich mir die Sendung angeschaut. Darin wird (hauptsächlich) am Beispiel von Zalando erklärt, wie der Online-Versandhandel funktioniert – zumindest schien das der Anspruch zu sein. Leider werden innerhalb einer knappen halben Stunde so viele Themen auf den Tisch gebracht, dass man irgendwie den Überblick verliert. Gleichzeitig erliegt der Autor der Versuchung, sich an medienwirksamen aber im Kern unwichtigen Dingen aufzuhalten. So werden beispielsweise einige Sicherheitsleute gezeigt vorgeführt, die sich offenbar in Unkenntnis der Rechtslage ob ein Dreh erlaubt ist oder nicht, vor laufender Kamera blamieren. Eine weitere merkwürdige Szene ist die, wo eine „Online-Expertin“ die Funktionsweise von Google-Adwords erklärt und sich spitzbübisch darüber freut, dass Zalando nicht nur für einen, sondern für jeden! Klick auf die Anzeige löhnen muss – und das nicht zu knapp. Leider gehen durch solche journalistischen und fachlichen Schnitzer die eigentlich wichtigen Punkte teilweise unter.

Der Großteil der Probleme, die dort beschrieben werden, sind nämlich keinesfalls solche, die in erster Linie mit dem Online-Versandhandel zu tun haben. Es sind Probleme, die heutzutage leider an vielen Stellen auftreten.

Da werden Unternehmen ab einer gewissen Größe scheinbar blind subventioniert, nur weil sie ein paar hundert Arbeitsplätze schaffen. In der Vita eines Politikers macht sich das natürlich gut, wenn man bei der nächsten Wahl darauf verweisen kann, so ein Unternehmen wie Zalando in die Stadt geholt zu haben. Dass man die Millionen an anderer Stelle sehr viel effektiver und nachhaltiger einsetzen könnte, wird gern übersehen. An die angeblich gemachten Zugeständnisse der Unternehmen kann sich dann später niemand mehr erinnern.

Da werden Arbeitnehmer – nennt man ja heutzutage in der Wirtschaft auch gern „Humankapital“ – verheizt. Nicht nur, wie man das bisher kannte, als billige Arbeitskräfte – sondern ganz und gar kostenlos. Der moderne Unternehmer unserer Zeit lässt seine Arbeitskräfte nämlich direkt vom Steuerzahler bezahlen. Legal? Ich glaube schon, dass es da für die in dem Beitrag beschriebene Bezahlung der „Einarbeitungszeit“ Regeln gibt. Nur muss man ja die Einhaltung derselben nicht immer so ganz genau prüfen.

Die Bedingungen, unter denen die gezeigten Lagerarbeiter malochen müssen, haben auch im Grunde nichts mit „dem Online-Versandhandel“, sondern schlicht und einfach mit einem schlechten Arbeitgeber und scheinbar kriminellen Praktiken desselben zu tun. Macht sich aber natürlich besser, wenn man direkt einen prominenten Bock einer interessanten Branche an den Hörnern durch die Medien ziehen kann.

Über das Wochenende hat sich nun auch wie erwartet ein kleiner Shitstorm ausgebreitet. Zalando sah sich immerhin in der Pflicht, zu dem Beitrag Stellung zu beziehen. Die Zustände sind – wer hätte das gedacht – bisher noch gar nicht aufgefallen. Der „Dienstleister“, der den Lagerkram regelt, soll noch stärker als sonst überprüft und in die Pflicht genommen werden. Na also – dann ist doch alles schick in unserem schönen Lande!

Wer besagte Sendung nochmal „nachschauen“ möchte – in der ZDF-Mediathek ist der Beitrag noch verfügbar.

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