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Sep 08 2012

Korsika – Gebirge im Meer

Kategorie Reisen


Wenn einer eine Reise tut – dann kann er was erzählen. Und das mache ich jetzt ganz einfach mal: Es ist wieder an der Zeit für einen (leicht verspäteten) Beitrag für meine Urlaubs-Kategorie.

Ein Reiseführer

Wenn wir ein Land bereisen – dann nur mit einem guten Reiseführer. Nach eingehender Recherche haben wir uns für den MICHELIN (auch „Der Grüne Reiseführer“ genannt) entschieden. Nicht nur der Titel ist edel, sondern auch der Preis. Hier hilft es, sich nach gebrauchten Exemplaren umzuschauen. Wir waren damit sehr zufrieden. Inhaltlich auf dem Niveau vom immer wieder guten „Lonely Planet“ aber mit besseren Karten und schönen Bildern. Vor allem die kleinen Städtetouren sind sehr empfehlenswert.

Der Weg ist das Ziel

Das Auto zählt bei der Fahrt in den Urlaub ab einer gewissen Wegstrecke heutzutage nicht unbedingt zu den populärsten Fortbewegungsmitteln. Dabei bringt die Wahl des Autos durchaus einige Vorteile. Die modebewusste Frau kann problemlos den Inhalt des gesamten! Kleiderschranks in der einen Hälfte des Kofferraums verstauen, und der ambitionierte Hobbyfotograf packt in die andere Hälfte sein gesamtes! Foto-Equipment. Kenner der Geographie werden jetzt vermutlich den Einwand bringen, dass Korsika doch eine Insel wäre und dadurch nur schwer mit dem Auto erreicht werden kann. Korrekt! Aber: Genau für solche Problemfälle hat man die Fähren erfunden, mit denen man (wer hätte das gedacht) auch seinen fahrbaren Untersatz transportieren lassen kann. Während in Bezug auf das Platzangebot das eigene Auto ganz klare Vorteile gegenüber dem Flieger offenbart, muss man bei den Kosten schon etwas genauer hinschauen. Immerhin handelt es sich hierbei um eine Wegstrecke von 1050 km (Dresden->Genua). Das am Stück zu fahren ist (auch bei zwei sich abwechselnden Fahrern) bisweilen etwas anstrengend. Wir haben es vorgezogen, jeweils einen Zwischenstopp einzulegen. Hat man dann noch das Glück, bei Freunden zu übernachten (Danke Nadine!), kann man noch zusätzlich die Reisekasse schonen und nebenbei noch weitere schöne Städte (Würzburg kann ich nur empfehlen) kennenlernen. Für Hin- und Rückfahrt sind uns folgende Kosten entstanden:

  • 300 Euro Spritkosten
  • 323 Euro Fähre (Mobylines, später mehr zu diesem Verein)
  • 33 Euro Jahresvignette Schweiz (gibt leider nichts günstigeres)
  • 4 Euro Korridorvignette Österreich
  • 25 Euro Mautgebühren Italien

Macht summa summarum knapp 700 Euro Reisekosten. Wenn man bedenkt, dass sowohl die Flug- als auch die  Mietwagenpreise in der Hauptsaison nicht die günstigsten sind, gewinnt auch beim Preis das Auto gegenüber dem Flieger. Bei der Fährüberfahrt sollte man genau überlegen, ob man über Nacht, oder am Tag fährt. Wir haben uns bei der Hinfahrt für die Nacht-Variante mit Kabine (Abfahrt 22 Uhr, Ankunft 8 Uhr) und bei der Rückfahrt für die Tag-Variante (Abfahrt 9 Uhr, Ankunft 15 Uhr) entschieden. Wobei der Dampfer auf der Rückfahrt einfach so mitten auf dem Meer stehen geblieben, und erst mit zwei Stunden Verspätung in Genua angekommen ist. Die italienische Crew beantwortete Nachfragen von Passagieren mit einem müden Lächeln und angedeuteten Stoßgebeten. Überhaupt gehört Mobylines nicht unbedingt zu den Fährlinien, die ich empfehlen würde. Zum Einen gab es bei der Buchung das Problem, dass mir das Ticket nicht zugeschickt wurde. Da ich mich nicht binnen fünf Tagen nach dem Verbleib des Tickets erkundigt hatte, durfte ich für die „erneute“ Zusendung nochmals 10 Euro löhnen. Der Zustand unserer Fähre, die dreckigen selbst zu säubernden Sitzgelegenheiten an Deck und der überall an Bord wahrzunehmende laut dröhnende Schiffsmotor führten dann nicht unbedingt dazu, meine Meinung zu ändern. Deutlich besser soll man da mit www.corsica-ferries.de fahren…habe ich gehört.

Bastia

Bastia war quasi unser Heimathafen. Hier gingen wir an Land, und hier sollten wir die Insel später auch wieder verlassen. Gleich den ersten Tag nutzten wir, um uns Bastia und das Umland anzuschauen. Gerade in Bastia sollte man nicht die Zeit damit verschwenden, nach einem kostenlosen Parkplatz zu suchen. Wir haben unser Auto direkt am „La Place Saint Nicolas“ (angeblich einer der größten Plätze Europas, sollte also zu finden sein 😉 ) abgestellt. Von dort aus kann man die Zitadelle und den Hafen (Vieux Port) sehr gut zu Fuß erkunden und/oder das eine oder andere Panorama machen.

Danach haben wir uns mit dem Auto auf den Weg in die Berge gewagt, um die Bucht von Bastia aus einer anderen Perspektive zu bestaunen. Dabei machten wir erstmalig Bekanntschaft mit den teilweise recht abenteuerlichen Straßen auf Korsika. Geborenen Flachländlern wie uns konnte da manchmal schon Angst und Bange werden. Von Bastia aus ging es nördlich am Strand entlang nach Miomo. Dann bergauf über San-Martino-di-Lota und Guaitella wieder zurück nach Bastia. Für diese läppische Strecke von 25km haben wir mehrere Stunden gebraucht. Natürlich kann man für die langen Fahrtzeiten nicht nur die selten mit Leitplanken flankierten Serpentinen verantwortlich machen. Auch die unzähligen Stopps an jedem einzelnen! Aussichtspunkt haben vermutlich ein klein wenig dazu beigetragen. Man kann aber auch nicht anders, als angesichts der malerisch-schönen Gegenden ständig das Verlangen danach zu spüren, am Straßenrand zu halten und staunend den Blick schweifen zu lassen.

Algajola

Direkt nach unserer ersten Erkundungstour rund um Bastia, machten wir uns auf den Weg in Richtung Westküste zu unserem Hotel ins 75km entfernte Algajola. Auch diese Strecke ist sehr sehenswert.

Man sollte aber einplanen, dass man teilweise nur mit 40km/h vorankommt. Mit unserem Hotel „Hotel Santa Vittoria“ (vor dem Klicken Lautstärke aufdrehen!) waren wir auch sehr zufrieden. Nette, fast schon familiäre Gastgeber, phantastische Lage direkt am Strand und ein Restaurant mit einem Koch, der sein Handwerk verstanden hat. Kurz: Sehr empfehlenswert!

Vor allem bei Surfern ist die Westküste Korsikas äußerst beliebt. Direkt in Algajola befindet sich ein „Wavespot bei nordwestlichem Mistral„. Keine Ahnung, was das genau bedeutet, aber dies bescherte mir immerhin diese kleine Fotoserie:

Scandola

Von Algajola aus kann man ohne viel Fahrerei sehr viele Highlights der Insel erkunden. So lohnt sich beispielsweise eine Bootsfahrt in den „Réserve naturelle de Scandola„. Diese unternimmt man am besten so wie wir von Calvi aus oder aus Richtung Süden von Porto. Stolze 50 Euro kostet der Spaß pro Person. Klingt erstmal nach sehr viel Geld – bringt einen aber entlang unbeschreiblich schöner Küstenlandschaften. Außerdem kann man mit ein wenig Glück den einen oder anderen Delfin in freier Wildbahn sichten (mit ein wenig Phantasie: vorletztes Foto).

Gebirge im Meer

Gerade für Urlauber, die sich nur schwer zwischen Meer und Gebirge entscheiden können, ist Korsika eine hervorragende Wahl. Nicht umsonst trägt Korsika auch den Beinamen „Gebirge im Meer“. Dabei liegen die Hochgebirge (bis zu 2700m) im Landesinneren und die Küsten nur wenige Kilometer voneinander entfernt. Unser Reiseführer machte uns darauf aufmerksam, dass eine Zugfahrt von Corte nach Bocognano durch eine der reizvollsten Gebirgslandschaften der Insel führen würde. Leider hat die zuständige Bahngesellschaft den Zug auf dieser Strecke modernisiert, was zwar die Sicherheit erhöht haben dürfte, aber leider nicht dazu beigetragen hat, das Flair einer Zugfahrt aus der Sicht des gemeinen Touristen zu erhalten. Somit gibt es dank der äußerst verdreckten und nicht zu öffnenden Fenster des Zuges leider keinen einzigen fotografischen Beweis dieser Behauptung aus dem Reiseführer. Auch die Stadt Corte, die wir als Startpunkt unserer kleinen Zugfahrt gewählt haben, ist durch die weithin sichtbare Zitadelle, die sich mitten auf einem freistehenden Felsen befindet, einen Besuch wert.

Flora & Fauna

Wilde Tiere sucht man auf Korsika vergebens. Das „gefährlichste“ was einem passieren könnte, wäre eine Begegnung mit Schweinen. Diese haben kaum etwas mit den hier üblicherweise in der Natur vorkommenden und manchmal nicht ungefährlichen Wildschweinen zu tun, sondern es handelt sich dabei eher um halbwilde Hausschweine. Uns sind eher kleinere Tierchen wie die sehr zahlreich vorkommenden Eidechsen und Libellen vor die Linse gekommen. Auf der Rückfahrt mit der Fähre haben wir dann immerhin noch eine kleine Gruppe von Delfinen und einen Wal bestaunen können.

Kulinarische Köstlichkeiten

Lebensmittel auf Korsika sind teuer. Allein für das leckere korsische Bier „Pietra“ (vor der Gärung wird Kastanienmehl hinzugefügt) bezahlt man um die 2 Euro – für knappe 0,25 Liter wohlgemerkt. Dementsprechend teuer sind auch die Preise in den Restaurants. Dennoch würde ich das Essen auf Korsika als preiswert bezeichnen – im wahrsten Sinne des Wortes. So lecker habe ich selten gegessen und dafür kann man meiner Meinung nach schonmal den einen oder anderen Euro mehr bezahlen. Da sich die Korsen selten gern in einer anderen Sprache als französisch verständigen, sollte man sich (wenn die sprachlichen Kenntnisse fehlen) vor dem Besuch eines Restaurants mit einem Sprachführer bewaffnen. Andernfalls darf man sich dann auch nicht beschweren, wenn man auf dem Teller eine unerwartete Überraschung serviert bekommt.

Nicht mehr ganz so geheime Geheimtipps

Neben den zahlreichen bekannten Reisezielen auf Korsika gibt es glücklicherweise auch noch genügend etwas weniger bekannte aber dafür umso spannendere Gegenden zu entdecken. Fasziniert war ich von einem verlassenen Dorf auf den Hügeln oberhalb von Lumio, welches wir dank eines „Lost-Place“-Geocaches gefunden haben.

Nachdem der letzte Bewohner Anfang des 20. Jahrhunderts verstorben war, verfielen die Gebäude nach und nach. Heute ist das Dorf nur über einen halbstündigen schwer zu findenden Weg zu erreichen.

Auch eine Wanderung zu den immer wieder anzutreffenden der Küste etwas vorgelagerten und mit Leuchttürmen versehenen Halbinseln, ist empfehlenswert. Calvi und L’Île-Rousse wären da zwei Beispiele. Von dort hat man einen schönen Blick auf die Westküste Korsikas. Folgendes Panorama zeigt die malerische Bucht unterhalb des Leuchtturms von L’Île-Rousse.

Leider sind wir – bis auf unsere Zugreise von Corte nach Ajaccio – kaum ins Landesinnere vorgedrungen. Hier soll es noch jede Menge kleiner Flüsse und Wasserfälle geben, die man dank der schlechten Verkehrsanbindung glücklicherweise nur zu Fuß erkunden kann. Dies werden wir dann möglicherweise in den nächsten Jahren irgendwann nachholen. Dann vielleicht auch zu einer anderen Jahreszeit. Die fast schon tropische Hitze in den Sommermonaten kann uns bleichen Mitteleuropäern bisweilen schon zu schaffen machen. Hier heißt es: Immer schön an den Sonnen- und Kopfschutz denken und viel trinken. Für letzteres habe ich mir extra einen neuen Fotorucksack zugelegt. Damit war es mir auf unseren Wanderungen möglich, nicht nur zwei meiner Kameras und alle! meine Objektive, sondern auch bis zu 1,5 Liter Wasser zu transportieren – später mehr dazu. 😉

Fazit: Vor fünf Jahren noch waren wir der Meinung, mit der Algarve den schönsten Küstenstreifen der Welt entdeckt zu haben. Nach dem Besuch von Korsika sind wir zumindest der Ansicht, dass ein weiterer Landstrich diesen Titel mehr als verdient hat.

Abspann

2 Kommentare

2 Kommentare zu “Korsika – Gebirge im Meer”

  1. […] Und da habe ich mir schon bei unserem diesjährigen Korsika-Trip gedacht, dass die Bestückung meines Fotorucksacks das höchste der Gefühle wäre. Falsch! Da geht […]

  2. savoir vivre – der Frankreichladenam 03. Nov 2012 um 15:19 Uhr

    […] es die Franzosen verstehen, wie man das Leben genießt, haben wir in unserem diesjährigen Urlaub auf Korsika eindrucksvoll feststellen können. Umso verwunderlicher, dass wir es bisher noch nicht geschafft […]

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