Pegida - Ausländer - Meinung - Menschen

Dez 05 2014

Pegida und deren Xenophobie

Kategorie Dresden

Seit Wochen schon beschäftigt mich dieses Pegida. Nun endlich, nach drei Wochen Erkältung (die berühmtberüchtigte Krippen-Grippe) und 5 Tagen Durchfall (so eine Krippe ist ein Eldorado für ganz unterschliedliche Kranheitserreger) komme ich dazu, dieses Thema zu verbloggen.

Laut der Abkürzung „Pegida“ handelt es sich bei den „Mitläufern“ dieser sogenannten Spaziergänge um „Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Aha – soso – ich übersetze mal: Das sind also alles Menschen, die Europa emotional sehr verbunden sind und die sich gegen die Verbreitung des Islams zu einer vorherrschenden Religion in ebenjenem Europa einsetzen. In Dresden beträgt der Anteil von Muslimen derzeit stolze 0,4%. Erstaunlich, warum gerade hier mittlerweile knapp 8000 Menschen dieses Thema so sehr beschäftigt, dass es sie auf die kalte Straße treibt. Oder ist diese etwas umständlich anmutende Bezeichnung einfach nur ein schicker Deckmantel, um die wahren Beweggründe zu verschleiern?

In vielen anderen Kleinstädten Sachsens gab und gibt es zum Teil heftige Proteste gegen derzeit neu zu planende Ausländerunterkünfte für Asylsuchende. Dank Facebook kann man an den „Ängsten“ direkt teilhaben. Das reicht von (interessanterweise immer wiederkehrenden) Klassikern wie

Ich habe schonmal einen Ausländer gesehen – der hat im Supermarkt das ganze Gemüse angeleckt!

über

Ausländer sind doch alles Kriminelle!

oder

Die bekommen 4.500 Euro Hartz IV!

sowie

Wenn die hier ein Ausländerwohnheim hinbauen, dann sind unsere Grundstücke nichts mehr wert!

bis hin zu

Für die hat der Staat Geld, aber für einen neuen Spielplatz nicht!

Gerüchte, Lügen, Vorurteile und Halbwahrheiten. Natürlich springt bei diesen Protesten der letzte klägliche Rest der sächsischen NPD in die Bresche und versucht völlig uneigennützig den von den Ängsten geplagten Bürgern in ihrer Hilflosigkeit gegenüber der Obrigkeit beizustehen. Stören tut sich daran leider kaum jemand. Ähnliches ist bei Pegida zu beobachten. Zwar behaupten die Organisatoren völlig frei von rechtsradikalen Einflüssen zu sein. Wenn man sich die Spaziergänger vor Ort allerdings mal anschaut, wird man eines besseren belehrt. Nazi-Devotionalen waren für mich in einer durchaus signifikanten Anzahl zu erkennen. Dabei sind meiner Meinung nach nicht einmal die Nazis das Problem, die ihre Gesinnung offen zur Schau stellen. Viel problematischer ist das, was in den Köpfen der sogenannten „normalen“ Menschen vorgeht. Diese tönen dann, dass immer gleich die „Nazi-Keule“ rausgeholt wird, wenn man mal die Wahrheit sagen würde. Entschuldigung – aber bei plumper Ausländerfeindlichkeit kann man meiner Meinung nach schonmal jemanden als Nazi bezeichnen. Der „Pegida-Erfinder“ Lutz Bachmann würde jetzt behaupten, dass Pegida nicht gegen alle Ausländer wäre, sondern nur gegen Kriminelle und Wirtschaftsflüchtlinge. Erstaunlich. Der Grund für die aktuell steigende Zahl an Asylsuchenden sind ganz klar Kriege in unterschiedlichen Konfliktgebieten. Warum sehe ich dann bei Pegida so wenig Plakate, die sich aufgrund der steigenden Zahl von Kriegsflüchtlingen für mehr Ausländerwohnheime einsetzen? Scheinheilig nenne ich das. Dass Herr Bachman ironischerweise einige Zeit selbst als krimineller Ausländer unterwegs war, lasse ich mal nur als Randnotiz erscheinen.

Pegida demonstriert auch für die Meinungsfreiheit. Klingt fast danach, als würde es die hier nicht geben. Liebe Pegida-Anhänger: Reist mal nach Russland und schwenkt auf dem roten Platz die Regenbogenfahne, dann wisst ihr, was die Einschränkung der Meinungsfreiheit bedeutet. In Deutschland kann ja wohl absolut jeder (natürlich im Rahmen der Gesetze) seine Meinung kundtun. Das sieht man im Übrigen auch daran, dass eure sogenannten Spaziergänge ohne größere Auflagen genehmigt werden. Was ihr selbst von Meinungsfreiheit haltet, zeigt ihr ironischerweise damit, dass ihr euren Teilnehmern den Mund verbietet. Vermutlich ist das aber auch nur eine Vorsichtsmaßnahme, weil ihr genau wisst, welche Parolen dann zu Tage treten.

Beschämend finde ich die lange Zeit ausbleibende Reaktion der Medien. Auch als schon tausende Menschen auf der Straße waren, hielten es die öffentlich-rechtlichen TV-Sender nicht für nötig, darüber zu berichten. Gut – grölende Hooligans die einen Polizeiwagen umwerfen bringen deutlich bessere Bilder als ein paar tausend Dresdner die nichtssagend durch die Gegend spazieren.

Disqualifiziert hat sich meiner Meinung nach auch der sächsische Innenminister Markus Ulbig, der sich mit der Idee einer Dresdner Sondereinheit für straffällige Asylbewerber in die Diskussionen eingebracht hat. Provinzialpopulismus vom Feinsten.

Am Montag gibt es wieder Demonstrationen. Pegida verzichtet erstmals auf den Spaziergang und lädt zu einer lokalen Kundgebung ein. Alle, die unter dem Motto „Dresden für alle“ gegen Pegida demonstrieren wollen, können sich auf dieser Seite über den geplanten Sternlauf informieren.

2 Kommentare

2 Kommentare zu “Pegida und deren Xenophobie”

  1. Kumbertxoam 07. Dez 2014 um 20:03 Uhr

    Vielen Dank für diese gute und ausführliche Betrachtung.
    Ich habe auch schon ein paar Gespräche mit der sogenannten „Mitte“ geführt.
    Immer dasselbe Lied: „Ich ja kein Nazi, aber…“, „Ausländerheime ja, aber doch nicht hier…“, „Die AfD ist doch voll super“, „Wird man doch wohl mal sagen dürfen…“. Und dann schön zum Semperopernball wieder obrigkeitshörig auf dem Theaterplatz tanzen. Widerlich.

  2. Marcus Sekundusam 30. Dez 2014 um 15:29 Uhr

    Hallo ich bin AUSLÄNDER und wollte der ganze Zeit meine Meinung zu diese Thema äussern.
    Ich wusste nur nicht wie oder wo aber sie haben es jetzt für mich getan und ich bedanke
    mich bei Ihnen!!!!! Das schlimme ist das ich sogar Kollegen und „Freunde“ haben die auch
    genau so denken wie diese Mitläufer. Es gibt eine Frage die beantwortet müssen, die lautet
    „Wie geht es weiter?“ Alle wissen das Deutschland Migranten brauchen aber keine will sie haben.
    Vielleicht müssen die Deutschen, wie in der Schweiz wählen ob sie mehr zuwanderung haben möchten oder nicht. Dann müssen sie aber auch mit den Konsequenzen leben.
    Bitte um Entschuldigung für die schlechte Grammatik bin aber kein Native Speaker:))

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