Wände - Frau - Gerät - Werkzeug

Jul 16 2015

Tag #186: Urlaub

Kategorie Bautagebuch


Wenn Bauherren und/oder -damen Urlaub machen, dann ist das meist mit Arbeit verbunden. So war es auch in unserem Fall. Die letzten Tage haben wir Baumärkte unsicher gemacht, Wände und Decken geglättet, Fugen mit Silikon zugeschmiert und Betondecken grundiert. Eigentlich wollten wir auch schon die ersten Wände streichen. Angesichts der Tatsache, dass die Wände doch noch etwas feucht waren, haben wir viele Arbeiten um eine Woche verschoben. Außerdem war es heiß im Haus – sehr heiß. Bei Spitzentemperaturen von 38°C und einer Luftfeuchtigkeit von 80%-95% wurden auch die kleinsten Anstrengungen zur Tortur. Schuld an den extremen Bedingungen war die Gastherme, die munter ihr Estrich-Trocknungsprogramm abspielte. Mit dem heutigen Tag ist dieser Vorgang beendet und Dank der akribischen Einhaltung der Lüftungsintervalle durch den Bauherren (also mich) zeigen nun auch die Wände keine feuchten Stellen mehr. Auch die Luftfeuchtigkeit ist auf maximal 80% gesunken und pegelt sich schon kurz nach dem Öffnen der Fenster bei unter 40% ein. Zahlen, die mich bei den zukünftigen Arbeiten zuversichtlich werden lassen.

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass wir keine Profi-Handwerker sind? Weder ich, noch meine Frau und schon gar nicht der knapp zweijährige Sohn. Das hat sich gleich bei unserer ersten Urlaubsaktion vortrefflich bestätigt. Im Vorfeld hatte ich mich im Netz nach einem geeigneten Werkzeug für das Abschleifen unserer Wände umgeschaut. Zwar sind die Wände recht gut verputzt – aber hier und da gibt es doch die eine oder andere Ungenauigkeit. Außerdem sitzen auf dem Putz kleine lose Steinchen, die man nach dem Malern immer noch sieht. Kurz: Ich wollte die Wände mit einem geeigneten Werkzeug schleifen. Achja – an dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass wir uns gegen das Tapezieren und für das direkte Streichen auf den Putz entschieden haben. Fachleute werden vermutlich mit dem Köpfchen schütteln. Wir finden es ganz schick – vor allem in Bezug auf das „Aufwand – Nutzen – Verhältnis“. Jedenfalls habe ich doch tatsächlich ein Werkzeug gefunden, welches auch im Baumarkt um die Ecke ausgeliehen werden konnte. Folgende Artikelbeschreibung überzeugte mich von der Richtigkeit meiner Entscheidung:

Der Wand- und Deckenschleifer mit einer maximalen Arbeitshöhe von 3 Metern verfügt über einen Anschluss für den Nass-/Trockensauger und eignet sich zum Glätten von Wänden und Decken. Ideal nach dem Füllen der Nähte von Gipsplatten und Putzdecken.

Die passenden Schleifgitter (eine Art Schleifpapier – nur in Gitterform) gab uns eine nette Dame, die wie sich später herausstellte keine Expertin auf diesem Gebiet war, gleich mit. Was wir nicht verbrauchen würden, könnten wir wieder zurückgeben. Nur den tatsächlichen Verbrauch müssten wir bezahlen. Gesagt – getan. Ich hätte stutzig werden müssen, als das erste Schleifgitter nach nur einer Wand in losen Fetzen vom Gerät hing. Achwas – dachte ich so bei mir – und griff zum nächsten Schleifgitter. Auch dieses und auch das nächste waren schon bald hinüber. Da ich das Gerät aus Kostengründen nur für vier Stunden gemietet hatte, schickte ich meine Frau, um Nachschub an Schleifgittern zu besorgen. Ich kümmerte mich weiterhin um das Schleifen unserer Wände und war – bis auf die Menge an verbrauchten Schleifgittern – mit der Qualität meiner Arbeit äußerst zufrieden. Plötzlich rief mich meine Frau an. Sie war noch immer im Baumarkt. Die Frau, die keine Expertin war, hatte aufgrund des geschilderten hohen Verbrauchs an Schleifgittern einen Fachmann zu Rate gezogen. Dieser – ein Baumarktfachangestellter höheren Alters – verlor nach Schilderung der Umstände seine Fassung. Er wies meine Frau mit Nachdruck darauf hin, dass jenes von uns ausgeliehene Gerät ausschließlich für das Schleifen von Rigipsplatten gedacht war. Die Art und Weise, wie wir das Gerät verwenden würden, würde selbiges schon nach kurzer Zeit zerstören. In diesem Moment tat mir meine Frau ein wenig leid. Selbstverständlich stellte ich die Arbeit umgehend ein. Vorher erfreute ich mich nochmal kurz an den hervorragend glatten Wänden. Das Gerät konnten wir in einwandfreiem Zustand zurückgeben.

Ab Montag geben sich die Gewerke wieder die Klinke in die Hand. Die Fliesenleger werden knapp zwei Wochen vor Ort sein. Danach folgen Treppe und Türen. Zwischendurch werden Klempner und Elektro-Installateur ihre bereits begonnenen Arbeiten komplettieren. Für uns gilt es, die Eigenleistungen taktisch klug zu terminieren, so dass wir so wenig wie möglich Aufwand haben. Vor den Türen, der Treppe und den Elektro-Arbeiten die Wände streichen – nach den Türen das Laminat verlegen. Nebenbei müssen wir noch irgendwie das Abwasser hinbekommen. Hier ziert sich die Dame von der Gemeinde noch etwas, bei der Freigabe unserer Pläne. Unkompliziert ging der Anschluss des Telefons vonstatten. Ein freundlicher Herr eines von der Telekom beauftragten Unternehmens bastelte die von uns netterweise schon verbuddelten Kabelenden zusammen. Außerdem setzte er noch die erste Dose nach dem Anschlusskasten, welche wir freundlicherweise an einer ganz anderen Stelle des Hauses geplant hatten. Ohne groß zu jammern zog er das Kabel mit professionellem Werkzeug durch unser dafür vorgesehenes Leerrohr. Nach weniger als einer Stunde war er wieder verschwunden. Nun müssen wir uns nur noch für einen Anbieter entscheiden. Obwohl sich die Telekom schon rührend um uns bemüht hat, wird es wahrscheinlich ein anderes Unternehmen werden.

Im Grunde liegen wir nun fast wieder im Plan. Ärgerlich nur, dass wir den Termin für die Lieferung der Küche etwas zu pessimistisch gelegt haben. Nun stellt sich für uns die Frage nach dem Termin für den Einzug: Schneller Einzug ohne Küche oder – da das Wochenende nach dem Einbau der Küche aus logistischen Gründen nicht funktioniert – sehr viel später.

3 Kommentare

3 Kommentare zu “Tag #186: Urlaub”

  1. Philippam 17. Jul 2015 um 20:40 Uhr

    Ach Ja, Baumärkte!

    Da kannste was erleben. Die Beste Samstag-Nachmittag-Unterhaltung die man kriegen kann.

    Grüße

    Philipp

  2. Muyserinam 20. Jul 2015 um 00:37 Uhr

    Sehr gelacht!

  3. jensiam 30. Jul 2015 um 11:51 Uhr

    -was du dir da ausgeliehen hattest war ein „Giraffe“ und wirklich nur zum planschleifen von Gipskarton …. aber zu meiner Bauzeit kannte ich dies Gerät auch noch nicht und habe alles per Hand und ohne Sauger erledigt !!—-Sauarbeit—

    und wenn du nicht die Telekom nimmst sparst du sicher 5 Euronen und wirst vom Leitungsnutzer (Mieter)(Reseller) im Problemfall an die Telekom verwiesen…(„von unserer Seite kann ich keinen Fehler feststellen“)

    grussi…….

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