Installation - Kombination - Eine - XBMC

Mrz 04 2012

yaVDR auf Atom-ION-Basis


1. Anforderungen an einen HD-VDR

  • geringer Stromverbrauch und geringe Lautstärke
  • ruckelfreie Bedienung und – HD-Wiedergabe
  • bequeme Wiedergabe von „externen“ Medien wie Bilder, Musik und Videos
  • große Festplatte mit Reserven (>=500GB)
  • einfache Anbindung (WLAN, Ethernet)
  • Internet
  • „wohnzimmerkompatibel“ bei möglichst hohem SAF (Senior Acceptance Factor…abgeleitet vom WAF)
  • Bedienung über Fernbedienung
  • akzeptables Preis-/Leistungsverhältnis

Vor wenigen Jahren noch hätten sich hier einige Punkte von vornherein ausgeschlossen. Geringer Stromverbrauch und bezahlbare HD-Wiedergabe bei gleichzeitig geringer Lautstärke und Wohnzimmerkompatibilität? Seit VDPAU sind dies Dinge, die sich mittlerweile ohne große Probleme bewerkstelligen lassen. Mittlerweile benötigt man nämlich auch bei der Verarbeitung von HD-Material keinen potenten Prozessor mehr, der sich die meisten Zeit mit dem Verbrauchen von Strom und dem Machen von Geräuschen beschäftigt. Heutzutage übernimmt das in viel effizienterer Art und Weise der Grafik-Prozessor. Somit reicht es, wenn man diesem einen kleinen und vor allem sparsamen und leicht zu kühlenden Hauptprozessor zur Seite stellt. Eine gute Plattform, die Dank vieler gebrauchter Angebote mittlerweile auch bezahlbar ist, ist die Kombination aus Atom-CPU und ION-Chipsatz. Letzter kommt aus dem Hause NVidia und beschäftigt sich hauptberuflich mit dem Decodieren von hochauflösendem Bildmaterial. Ersterer könnte zwar noch etwas leistungsfähiger sein, reicht aber für meine gestellten Anforderungen vollkommen aus.

2. Hardware-Basis

Mit ein wenig Glück habe ich mir dann mit dem ASRock ION 330 Nettop bei eBay eine gute Hardware-Basis für mein Projekt geschossen. Anders als vom Hersteller verbaut (hier die Hardware-Spezifikation) war in diesem Gerät statt einer 320GB-Festplatte eine 500-er verbaut. Gerade in Bezug auf das speicherintensive Aufnehmen von HD ein nicht zu verachtender Glücksfall. Folgendes steckte noch in der im Vergleich zu „klassischen“ Computern doch recht hübschen Kiste:

  • Intel Atom 330, 2x 1.60GHz SMT(4 Threads)
  • nVidia 9400-ION
  • 2GB DDR2 800 MHz Dual Channel Arbeitsspeicher
  • 500GB Maxtor Festplatte
  • DVD+- DL RW Slim-Laufwerk
  • 6x USB 2.0, RJ-45 Gigabit Ethernet, HDMI, VGA, HD Audio 5.1 channel, S/PDIF
  • 2x USB und Audio zugänglich von vorne
  • 4 x Serial ATAII
  • 1 x PCI Express 2.0 x16 slot

Vor allem der „PCI Express“-Slot war mir für die zu nutzende TV-Karte (DVB-S2) wichtig. Viele Mainboards dieses Formats verzichten auf diese Schnittstelle, was den Betrieb einer externen USB-TV-Lösung erforderlich gemacht hätte. Für knappe 130 Euro ist dies selbst heute noch kein schlechter Kauf.

Die erste kleinere Ernüchterung kam nach dem ersten Einschalten – irgendwas machte da doch recht störende Pfeifgeräusche. Sollte sich dann doch mal wider der alte Leitsatz „wer billig kauft, kauft 2x“ bewahrheitet haben? Ein kurzer Blick unter die Haube machte das hörbare Problem sichtbar: Sowohl der CPU- als auch der Netzteillüfter entpuppten sich als Störenfriede. Der eine war kaputt (was das Pfeifgeräusch erklärte) der andere vermutlich konstruktionsbedingt alles andere als ein Leisetreter. Während ich bei der CPU keinerlei Skrupel hatte, den Lüfter auszutauschen, hatte ich beim Netzteil doch so meine Bedenken. Während die CPU bei einer falschen Lüfterwahl einfach nur kaputt gehen kann, könnte bei so einem Netzteil auch mal Schlimmeres passieren. Eine kurze Recherche ergab jedoch, dass Andere dieses Problem bereits erfolgreich lösen konnten – und so entschied ich mich, folgende zwei Lüfter nachzukaufen:

Der Einbau ging recht flott von der Hand – auch wenn die Garantie des Netzteils damit flöten gegangen sein dürfte. Egal – das Ergebnis war mehr als überzeugend. Einzig die Festplatte, bei der es sich um ein „normales“ 7200-er Modell handelte, machte von nun an Geräusche, die jedoch erträglich waren. Hier könnte man sicherlich mit einer 5400-er Platte und einer entkoppelten Montage im Gehäuse noch bessere Ergebnisse erreichen.

3. Die TV-Karte

Als TV-Karte sollte die TV TeVii S470 DVB-S2 HDTV PCIe Diseqc 1.2/2.0 Low Profile zum Einsatz kommen. Qualitativ scheint es da wenig Unterschiede bei den einzelnen Modellen zu geben. Von der Ausstattung her muss man sich entscheiden, ob man zu einem Doppel-Tuner greift oder nicht. Ich habe mich dagegen und damit für die preisgünstigere Variante entschieden. Ein weiteres Kriterium war die mitgelieferte Fernbedienung. Diese war jedoch mangels stabiler Treiber unter Linux nicht nutzbar. Glücklicherweise hat man beim VDR zahlreiche Möglichkeiten der Einbindung von ganz unterschiedlichen Fernbedienungen. Ich habe mich – wiederum Dank eines Gebraucht-Schnäppchens – bei eBay für die Hama MCE Remote Control entschieden. Dabei handelt es sich um eine IR-Fernbedienung, die man mittels mitgeliefertem USB-IR-Empfänger problemlos in den VDR integrieren kann. Außerdem bietet sie eine Art Touchpad mit welchem man bequem und ohne zusätzliche Maus den Mauszeiger auf dem Bildschirm hin&her bewegen kann.

4. Installation von yaVDR

Eine noch recht junge VDR-Distribution ist yaVDR (yet another VDR). Sie basiert auf Ubuntu-Linux und wurde mit folgenden Zielsetzungen entwickelt:

  • HDTV-Wiedergabe
  • Schneller Bootvorgang
  • Weitgehend selbsterklärende Installation
  • Weitgehend automatische Konfiguration
  • Einfache Aktualisierung durch Paket-System
  • Weitere Konfiguration über YaVDR-Webfrontend
  • XBMC als Frontend für die Medienwiedergabe und als alternatives VDR-Frontend
  • S3-Support

Besonders die Kombination von VDR (für die TV-Funktionalität) und XBMC (für die Medienwiedergabe) halte ich für gelungen. Während andere Lösungen darauf setzen, die Medienwiedergabe (Fotos, MP3, Videos) durch Plugins innerhalb des VDR zu realisieren, bedient sich yaVDR der ziemlich umfangreichen Funktionalitäten von XBMC. Die Kombination mündet in der komplettesten Lösung für alle Aufgaben eines „Media Centers“ fürs Wohnzimmer. Hinzu kommt, dass die in der Vergangenheit für Laien noch recht umständliche Installation mittlerweile auch dem weniger erfahrenen Linux-Benutzer mit wenigen Grundkenntnissen recht problemlos von der Hand gehen dürfte. Wenn dann doch mal Probleme auftauchen, gibt es mit dem VDR-Portal ein gutes Forum, wo einem langjährige Nutzer mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich möchte hier ungern den genauen Vorgang der Installation beschreiben – diese Informationen kann man sehr viel ausführlicher und vor allem immer aktuell im www.vdr-wiki.de finden. Generell sollte dies die erste Anlaufstelle sein. Hat man sich dort informiert heißt es (im Idealfall) nur noch: ISO herunterladen, brennen, booten, installieren und fertig. Besser jedoch: Man hat jemanden mit ein wenig Linux-Erfahrung zur Hand. Der kann einem zumindest einige hilfreiche Grundlagen nahebringen und davor bewahren, gleich über den erstbesten Stolperstein zu fallen und infolgedessen  allzu schnell die Lust zu verlieren.

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