Xbox - Festplatte - XBMC - Softmod

Okt 10 2008

Xbox Media Center (XBMC)



Das „Xbox Media Center“ (kurz XBMC) ist eine Software für ein freies Media Center, welches ursprünglich für die Xbox 1, einer Spielekonsole von Microsoft, entwickelt wurde. Innerhalb einer Oberfläche vereint es das Abspielen von Videos, Musik und DVDs und ermöglicht es außerdem, im Foto-Archiv zu stöbern und den aktuellen Wetterbericht abzurufen. Dateien können sowohl lokal über die eingebaute Festplatte, als auch aus dem Netzwerk bzw. dem Internet als Stream abgerufen werden. Mittlerweile ist der Funktionsumfang vor allem durch die Möglichkeit Python-Scripte auf der Plattform auszuführen schier unbegrenzt. So gibt es auch RSS-Reader, eMail-Clients oder ein Programm zum bequemen Navigieren durch YouTube. Mittlerweile ist das XBMC auch für andere Plattformen wie Windows, Linux oder den Mac verfügbar. Außerdem wird eine Live-CD angeboten, über die man sich vor der Installation mit dem System vertraut machen kann.

Ich habe das XBMC auf einer älteren, bei eBay ersteigerten Xbox installiert. Damals (September 2008) wurden die Geräte recht günstig für 40-80 Euro angeboten. Je nachdem, ob man Spiele, Controller oder sonstiges Zubehör im Paket mit ersteigern möchte, kann der Preis etwas schwanken. Insgesamt ist es mit allem drum&dran möglich, ein komplettes Media Center mit dem Einsatz von 70-120 Euro und etwas bastlerischem Können zu Stande zu bringen. Obwohl man wenn man sich an dieses Projekt wagt ein gewisses Grundverständnis für Computertechnik mitbringen sollte, bin ich der Meinung, dass sich der Schwierigkeitsgrad in Grenzen hält. Nachfolgend möchte ich meine Vorgehensweise dokumentieren.

  1. Was sind die Vorteile der Xbox als Media Center?
  2. Was wird benötigt?
  3. Softmod der Xbox
  4. Einbau einer größeren Festplatte
  5. Installation XBMC
  6. 2do

1. Was sind die Vorteile der Xbox als Media Center?

  • wohnzimmertauglich
  • schnelle Bootzeiten von wenigigen Sekunden
  • günstig in der Anschaffung & relativ sparsam
  • große Funktionsvielfalt
  • „nebenbei“ als Spielekonsole nutzbar

2. Was wird benötigt?

  • Xbox 1
  • Xbox DVD-Kit (bestehend aus Infrarot-Empfänger und Fernbedienung, am besten gleich mit der Xbox ersteigern)
  • USB-Adapter Interface (einfach mal bei eBay suchen, gibts für rund 5 Euro)
  • USB-Stick
  • Xbox-Spiel Splinter Cell (die Classic-Version!, nicht Chaos Theory oder Pandora Tomorrow)
  • Wenn man mit der integrierten 8GB-Festplatte nicht auskommt optional eine IDE-Festplatte (wegen der Wärmeentwicklung am besten eine mit 5400 U/min).
    Wichtig: nicht alle Modelle lassen sich in die Xbox einbauen, dazu später mehr.

3. Softmod der Xbox

Konsolenhersteller stehen vor einem Dilemma. Einerseits müssen sie eine Hardware bereitstellen, die technisch auf einem aktuellen Stand ist und aktuelle Techniken beherrscht. Andererseits muss die Hardware günstig genug sein, damit sie jemand kauft. Um dies zu gewährleisten wird der eigentliche Profit nicht mit der Konsole, sondern mit den später verkauften Spielen gemacht. Hässlicher Nebeneffekt an der Geschichte: Die Konsolen-Hersteller sehen es äußerst ungern, wenn ihre subventionierten Geräte anderweitig verwendet werden. Das hat zur Folge, dass man mit allen Mitteln versucht, eine anderweitige „Ingebrauchnahme“ zu verhindern. Konsolen-Besitzer sollen Spiele kaufen und keine „Fremdsoftware“ installieren können. Obwohl eine Konsole im Grunde nichts anderes als ein Computer ist, ist es oft zunächst einmal nicht möglich, etwas anderes damit anzustellen, als der Hersteller vorgesehen hat. Die aufgestellten Hürden wurden allerdings bisher immer schnell überwunden, so dass man heute für die Xbox 1 zwei Möglichkeiten hat, um auch andere Software zum Laufen zu bekommen.

Sehr früh kamen die sogenannten „Modchips“ zum Einsatz. Dies sind kleine Chips oder Platinen, die auf die Hauptplatine der Xbox aufgelötet werden. Ab sofort ist es möglich jede Software auf der Xbox installieren, während das Gerät weiterhin als vollwertige Spielekonsole genutzt werden kann. Diese Modchips kosten jedoch Geld und sind vor allem für ungeübte Lötkolbennutzer nicht zu empfehlen. Zwar gibt es auch Firmen, die das Modden gegen Geld übernehmen – aber es geht auch einfacher.
Die zweite (fast) kostenlose Variante, eine Xbox zum Ausführen fremder Software zu überreden ist der „Softmod“. Dabei wird das vorhandene Bios direkt modifiziert. Früher waren die Softmods etwas eingeschränkter zu benutzen als Modchips. So war es lange Zeit nicht möglich, die originale Festplatte auszutauschen oder „Xbox Live“ zu nutzen. Mit dem von mir verwendeten „Krayzie Ndure Installer“ ist beides jedoch durchaus machbar. Investieren muss man einzig in ein USB-Adapter Interface, einen USB-Stick und ein originales (am besten gebrauchtes) Xbox-Spiel. Als Spiel kann man Splinter Cell, 007 Agent Under Fire und Mech Assault 1 verwenden. Insgesamt sollte der Softmod also für unter 10 Euro möglich sein.

Das Prinzip des Softmods ist recht simpel. Man speichert einen modifizierten Spielstand über den PC auf einem im Xbox-Format formatierten USB-Stick ab. Danach steckt man den USB-Stick über den USB-Adapter an den Controller der Xbox und lädt den modifizierten Spielstand über das originale Xbox-Spiel. Dies startet die eigentliche Installation des Softmods. Detailierte Anleitungen dazu findet man im Internet.

Vorraussetzung für den Softmod ist ein Microsoft-Dashboard in der Version 5960 oder höher. Welche Dashboard-Version auf der Xbox installiert ist, kann man unter Einstellungen/Systeminfo herausfinden. Sollte die Version zu niedrig sein, kann man das Dashboard mit einem beliebigen Xbox-Live-fähigen Spiel updaten, welches aktueller ist als „Halo 2“. Dazu einfach die Xbox vom Netzwerk trennen und das Spiel einlegen. Anschließend im Spiel die Option „Xbox Live“ auswählen und schon wird das Dashboard aktualisiert. Etwas sicherer funktioniert es mit dem „Halo 2 Map-Pack“. Sobald man dieses installiert, erhält man nämlich ebenfalls automatisch ein passendes Dashboard.

4. Einbau einer größeren Festplatte in die Xbox

Will man die eingebaute Festplatte (8-10GB) behalten, kann man diesen Punkt natürlich überspringen. Will man seine Musik-, Bilder oder Filmesammlung auf der Xbox unterbringen, kann man mit der doch sehr kleinen Festplatte nicht viel anfangen. Hat man die Wahl sollte man darauf achten, eine Festplatte mit 5400 U/min zu nehmen, da diese im Zweifel weniger Wärme produzieren wird, als eine Festplatte mit mehr Umdrehungen. Leider sind nicht alle Festplatten für den Einbau in die Xbox geeignet. Eine Kompatibilitätsliste gibt es hier. Ich habe eine SAMSUNG HA200JC verwendet. Obwohl diese in der Kompatibilitätsliste nicht aufgeführt ist, hat das Upgrade problemlos funktioniert. Ein Versuch lohnt sich also auf jeden Fall.

Zunächst muss man vom bestehenden System ein Backup machen. Dazu verbindet man sich über FTP mit der Xbox. Der FTP-Client wird im Zuge des Softmods bereits mit installiert. Nun kopiert man das Laufwerk C der Xbox auf den Computer. Bei der Gelegenheit kann man zur Sicherheit auch gleich alle weiteren Laufwerke transferieren. Nun erstellt man mit Hilfe des Tools „Xboxhdm 1.9“ aus dem gesicherten C-Laufwerk der Xbox eine Boot-CD, die dann zum Installieren des alten Systems auf der neuen Festplatte genutzt wird. Nachdem man das Tool Xboxhdm entpackt hat, verschiebt man das gesicherte C-Verzeichnis der Xbox in den Ordner „linux“ des Tool-Verzeichnisses. Ebenso landet die Datei eeprom.bin in dem passenden Verzeichnis des Tools. Anschließend erhält man nach dem Ausführen von „make-iso-win.bat“ ein CD-ISO, welches man auf CD brennt. Nun sind die Vorbereitungen für den Tausch der Festplatte abgeschlossen.

Jetzt trennt man alle! Laufwerksverbindungen des Computers (IDE&SATA) und schließt am Primary Master das CD/DVD-Laufwerk und am Secondary Master die neue Festplatte an. Anschließend bootet man von der soeben erstellten Boot-CD. Beim ersten Fenster entscheidet man sich zunächst für Option 1 (Boot VGA console with xbox-drive utilities). Beim darauffolgenden Fenster wählt man ebenso die Option 1 (Build a new Xbox HD from scratch) und folgt den weiteren Anweisungen. Die neuen Partitionen werden erstellt und das System wird automatisch eingerichtet. Nachdem die Festplatte fertig eingerichtet ist, startet man den Computer neu und wählt nun beim ersten Bildschirm die Option 3 (Boot linux with locking/unlocking utilities). Nun muss die Festplatte noch „gelockt“ werden, sonst wird sie von der Xbox nicht angenommen…klingt blöd, is aber so! Einfach „lockhd“ eintippen – sollte die Festplatte das locken unterstützen, wird dies (falls man keine Fehler gemacht hat) zum Erfolg führen. Falls nicht – wird die Festplatte aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in der Xbox funktionieren.

Nun geht es daran, die alte Festplatte gegen die neue auszutauschen. Dazu muss man die Xbox öffnen – die Garantie geht damit verloren. Da es diese Geräte allerdings nur noch gebraucht zu kaufen gibt, sollte die Garantie eh uninteressant sein.
Zunächst entfernt man die 6 Torx-Schrauben (T20) an der Unterseite. Diese befinden sich etwas versteckt unter den 4 Gumminoppen bzw. den zwei Aufklebern. Danach kann man den Deckel problemlos abheben. Sollte dies nicht der Fall sein, hat man wahrscheinlich eine Schraube vergessen ;-). Zwischen Festplattenkäfig und DVD-Laufwerk befindet sich noch eine Torx-Schraube (diesesmal T10), die es zu lösen gilt. Nun kann man Strom- und IDE-Kabel von der Festplatte trennen und den gesamten Käfig aus der Xbox heben. Bevor man die Festplatte tasuchen kann, muss man noch vier Schrauben (wieder T10) seitlich am Festplattenkäfig entfernen.

Einbauen – Anschließen – Testen – Fertig!

Obwohl ich die Xbox vorher gemoddet hatte, war bei mir die Xbox wieder auf den Originalzustand zurückgesetzt. Wahrscheinlich hatte ich das falsche eeprom erwischt. Sollte dies der Fall sein – einfach nochmal den Softmod ausführen.

Sollte eine größere Festplatte (>130GB) verwendet werden, wird die große Partition F unter Umständen nur mit rund 130GB angezeigt. Hier hilft das auf der Xbox lauffähige Tool „XBPartitionier“. Damit kann man die Clustergrößen verändern und somit die volle Kapazität der Festplatte zum Vorschein bringen.

5. Installation XBMC

Microsoft wäre nicht Microsoft, wenn es nicht mit allen Mitteln versuchen würde, seine Firmenpolitik durchzusetzen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass es den Entwicklern von XBMC nicht möglich ist, die „XBMC-Binaries“ offiziell zum Download anzubieten. So muss man entweder zertifizierter Xbox-Entwickler sein, um den Quellcode legal kompilieren zu können, oder man beauftragt eine Suchmaschine wie Google mit der Suche nach dem Passenden Paket. Die momentan aktuelle Version heißt „XBMC Atlantis“. Hat man diese herunterladen, braucht man die Dateien nur noch per FTP auf das Laufwerk F in den Ordner Apps/XBMC zu übertragen.

6. 2do

Ein aktuelles Problem, welches es noch zu beseitigen gilt, ist die Lautstärke des Lüfters meiner Xbox. Einige Xboxen besitzen neben dem rückwärtigen Lüfter noch einen zusätzlichen Lüfter auf der Grafik-CPU. Dies ist bei mir nicht der Fall, so dass ich mich „nur“ noch um den deutlich hörbaren Lüfter an der Rückseite kümmern muss. Microsoft hat sich da selbstverständlich eine ganz spezielle Konstruktion ausgedacht, so dass man den Lüfter nicht einfach austauschen kann. Mit 70mm entspricht nicht einmal der Durchmesser einer gängigen Norm. Ich habe schon versucht mit einem Dremel genügend Platz für einen 80mm Lüfter zu schaffen – bisher ohne Erfolg. Mein vorhandener 80cm-Lüfter ist etwas zu breit für mein Vorhaben. Hier muss ich noch etwas passendes finden.

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