Was für ein morgendliches Schauspiel:
Da mache ich mich doch heute ganz gemütlich - wie an jedem anderen Arbeitstag auch - mit dem Rad auf den Weg zur Arbeit. Gleich beim ersten steileren Anstieg erscheint ein “etwas unrund” strampelnder Radler vor mir. Ich schalte gezielt in den für diese Bergkategorie angebrachten Gang und schwebe förmlich an ihm vorbei. Dabei achte ich selbstverständlich gewissenhaft darauf, möglichst keine Gesichtsregung zu zeigen, die meine bei diesem forcierten Tempo oft eintretende frühe Erschöpfungsphase offenbaren würde. Kaum bin ich an ihm vorbei, fahre ich direkt noch einen kurzen Vorsprung heraus, um dann wieder in ein, dem Morgen angebrachtes, gemütlicheres Tempo zurückzuschalten.
Nur wenige Meter später vernehme ich das nervöse Klackern der Fahrradschaltung meines Kontrahenten und merke, wie er mit aller Kraft versucht, den Abstand wieder zu verringern. Ich verstand das selbstverständlich als Herausforderung und nahm diese ohne zu zögern an. Fast unhörbar schaltete ich einen Gang höher, und versuchte abermals die Trittfrequenz beizubehalten. Bald bin ich beim höchsten mir zur Verfügung stehenden Gang angekommen. Aus dem linken Augenwinkel erkenne ich, dass ich nur noch eine halbe Radlänge Vorsprung habe. Mein Gegner scheint ebenfalls krampfhaft zu versuchen, seine nahende totale Erschöpfung mit aller Macht zu verbergen. Auch ich beginne von meinen letzten Kraftreserven zu zehren, bleibe aber selbstverständlich und so wie es sich für einen Möchtegern-Profi gehört im Sattel. Mit einer gefühlten Geschwindigkeit von einigen duzend Kilometern in der Stunde rasen wir dahin - immer auf der Hut nicht von einem der zahlreichen Schlaglöcher zu Fall gebracht zu werden.
Glücklicherweise ist mein Arbeitsweg nur knapp drei Kilometer lang - somit konnte ich diese Etappe erhobenen Hauptes und als Sieger beenden - durchgeschwitzt aber glücklich, zufrieden und ohne unerlaubte Hilfsmittel.
Siehste Ulle: es geht auch ohne!
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31. Mai 2007 an 10:50
Jaja, das sind die Erfolge, die man einfach mal braucht. Z.B. an eine >5%-Steigung die coolen Mountenbiker lässig auf dem Rennrad abzuhängen.
31. Mai 2007 an 19:04
Mir kommen die Tränen
schöner Text, mach weiter so.
31. Mai 2007 an 19:50
@Daniel: hey…ICH bin ein “Mountenbiker”!
15. Juli 2008 an 20:35
Tour de France ist was für Weicheier!…
Bereits kurz nachdem ich heute morgen mein Rad bestieg war klar, dass heute ein besonderer Tag werden würde. Wenige Meter bevor ich die einzige Hautverkehrsader meines Arbeitsweges kreuzte, überholte ich mit meinem typischen morgentlich-verschla…